Nolda: "Keine gute Lösung"

Hochwasserschutz in Bettenhausen: Losse wird nicht eingemauert

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Der Lossebach als reißender Strom: An der Buttlarstraße in Bettenhausen gibt es öfter Hochwasser-Alarm. Das Bild entstand im Juli des vergangenen Jahres. Für den Hochwasserschutz im Stadtteil gibt es keine Lösung

Bettenhausen. Die Losse in Bettenhausen wird nicht eingemauert. Zuvor wurde eine Schutzmauer für den Stadtteil erwogen.

Um den Stadtteil und insbesondere den alten Ortskern vor Hochwasser zu schützen, war der Bau einer drei Kilometer langen und 1,10 Meter hohen Schutzmauer entlang der Losse erwogen worden. Doch das wird nicht gemacht. „Das wäre eine Vergewaltigung von Bettenhausen“, sagt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

In einer Infoveranstaltung erteilte der Baudezernent den Plänen, eine Mauer und Schutzwälle quer durch den Stadtteil zu errichten, endgültig eine Absage. „Ihr würdet Euren Stadtteil nicht mehr wiedererkennen“, erklärte Nolda. Für die „Riesenbaustelle“ müssten 200 Bäume gefällt werden. Die Mauer würde mindestens 3,2 Millionen Euro kosten, hinzu kämen weitere Millionen für Flächenankauf, die Änderung von Wasseranschlüssen und die Anpassung von Brücken und anderen Überquerungsmöglichkeiten. „Keine gute Lösung“, sagt Nolda.

Kein Rückhaltebecken

Eine andere gibt es freilich nicht. Jahrelang hatte der städtische Eigenbetrieb Kassel Wasser am Bau eines Hochwasser-Rückhaltebeckens unterhalb des Eichwaldes getüftelt und zwischen Autobahn 7 und Lohmühlenweg jeden Quadratmeter untersucht. Weil in diesem Gelände zwei Trinkwasserbrunnen liegen, aus denen 30 Prozent des Kasseler Trinkwassers stammen, darf dort aber kein Rückhaltebecken gebaut werden. Denn Trinkwasserschutz geht vor Hochwasserschutz.

Für etwas Entlastung soll künftig das Rückhaltebecken Helsa sorgen. Das zwölf Millionen Euro teure Bauwerk soll bis 2022 realisiert sein und auch in Bettenhausen das Hochwasser mindern.

Dass aber direkt in Bettenhausen nichts mehr gegen die Überschwemmungen getan werden soll, „ist nicht fair und auch nicht akzeptabel“, sagt Ortsbeiratsmitglied Alfons Fleer (Grüne). Er wohnt an der Buttlarstraße, wo auch etwa 50 anderen Hauseigentümern regelmäßig das Wasser in die Keller läuft. Etwa bei sehr starkem Regen. Der Lossebach schwillt dann bedrohlich an. „Nach acht Stunden geht das Wasser wieder zurück“, beschreibt Fleer seine Erfahrungen: „Aber dann ist die Hütte voll.“

Nolda sagte den Anwohnern eine Prüfung zu, ob sich die Überschwemmungen im Bereich Buttlarstraße mit anderen Mitteln reduzieren ließen. Aber es sei eben auch Eigenvorsorge der Hauseigentümer wichtig. So könnten beispielsweise Kellerfenster zugemauert werden.

Das empfindet Anwohner Fleer als „blanke Zumutung“. Es müsse doch der Stadtverwaltung möglich sein, Vorkehrungen zu ergreifen, wie sie auch die Feuerwehr treffe, wenn der Lossepegel bei Helsa auf Alarmhöhe steigt. Dann werden an der Buttlarstraße Sandsackwälle aufgeschichtet, um das Schlimmste zu verhindern.

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Hier sollte die Mauer entstehen

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