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In Bettenhausen stinkt’s: Ärger wegen Rauch auf Gelände von Recyclingfirma

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Von: Matthias Lohr

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Ist laut Nachbarn fast täglich zu sehen und zu riechen: Gelber Rauch über dem Gelände der Recyclingfirma TSR in Bettenhausen.
Ist laut Nachbarn fast täglich zu sehen und zu riechen: Gelber Rauch über dem Gelände der Recyclingfirma TSR in Bettenhausen. © Andreas Wolff

Jahrelang beschwerte sich Anwohner in Bettenhausen über Lärm auf dem Gelände der Recyclingfirma TSR. Nun sorgt gelber Rauch für Unmut.

Kassel – An seinem Arbeitsplatz öffnet Andreas Wolff lieber nicht das Fenster. Fast jeden Tag sieht der Verkaufsberater des VW-Autohauses Hessenkassel in der Leipziger Straße vom Nachbargrundstück gelben Rauch aufsteigen. Nebenan hat die Recyclingfirma TSR eine ihrer europaweit 160 Niederlassungen. Wolff sagt: „Es stinkt so sehr nach Gummi und Schwefel, dass man den Geschmack auf der Zunge hat. So kann das nicht weitergehen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass man sich in Bettenhausen über das Unternehmen in der Ochshäuser Straße beschwert, das Schrott verarbeitet, größtenteils Metall. Jahrelang klagten Anwohner über eine massive Lärmbelästigung. Selbst im Eichwald seien die Geräusche zu hören gewesen. 2019 begann TSR, eine 80 Meter lange Schallschutzwand zu bauen. Das habe die „Gesamtlärmsituation verbessert“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Zudem habe der Niederlassungsleiter Anwohner in den Betrieb eingeladen. Bei hoher Lärmbelastung könne „direkter Telefonkontakt zum Lärmschutzbeauftragten der Niederlassung“ aufgenommen werden. Die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmwerte würden weiterhin eingehalten. Bettenhausens Ortsvorsteher Volker Zeidler (SPD) bestätigt, dass es „etwas ruhiger“ geworden sei, die Lärmschutzwand sei „aber nicht das Optimum“. Von einer Geruchsbelästigung wisse er nichts.

Autoverkäufer Wolff hat jedoch zahlreiche Aufnahmen gemacht, die zeigen, wie der gelbe Rauch aufsteigt. Auch die Sprecherin des in Lünen im Ruhrgebiet ansässigen Unternehmens bestätigt, dass beim sogenannten Brennschneidervorgang von „nichtlegierten Stahlschrottteilen nicht-schwefelhaltiger rötlich-gelber Rauch auftreten“ könne, „von dem keine Gefahr für Anwohner ausgeht“. Wegen der Größe des Materials könne der Rauch nicht aufgefangen werden.

Der Betrieb werde unangekündigt von der zuständigen Behörde inspiziert: „In keinem Fall wurden Verstöße festgestellt.“ Derzeit bemühe sich die Niederlassungsleitung mit Fachbehörden und externen Experten „um Lösungen zur Emissionsminderung“. Die Stahlschrottteile würden nur phasenweise aufbereitet.

Laut der Sprecherin ist TSR mit seinem europaweiten Netzwerk „ein wichtiges Bindeglied in der Kreislaufwirtschaft und trägt dazu bei, Ressourcen und Umwelt nachhaltig zu schonen“. Indem Eisen und andere Metalle aufbereitet würden, stünden der Industrie jährlich rund neun Millionen Tonnen Recyclingrohstoffe zur Verfügung. Die 28 000 Quadratmeter große Niederlassung in Kassel zähle mit seinen 24 Mitarbeitern zu den alteingesessenen Standorten in der Region. Für die Automobil- und Zulieferindustrie in Nordhessen gewährleiste TSR „eine hohe Entsorgungssicherheit sowie kurze Entsorgungswege“. (Matthias Lohr)

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