Kulturverein hat Anzeige erstattet

Miramstraße in Bettenhausen: ISIS an Wände geschmiert

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Schnell überstrichen: Nachdem Vereinsmitglieder die ISIS-Schmierereien am Sonntag entdeckt hatten, griff Hassan Khavari zur Farbrolle. Die Gemeindemitglieder Abdul Qajum Hamidi (links) und Mohammad Taheri sahen ihm dabei zu.

Bettenhausen. Unbekannte haben am Wochenende das Gebäude des Vereins Hosseinia an der Miramstraße in Bettenhausen an insgesamt drei Stellen mit ISIS-Schriftzügen beschmiert.

Der Kulturverein mit rund 100 Mitgliedern wird überwiegend von schiitischen Muslimen besucht. „Unsere Mitglieder kommen in erster Linie aus Afghanistan und dem Iran“, sagt Tamim Jawad. Zudem seien unter den Mitgliedern auch viele deutschstämmige Muslime.

Mit großem Entsetzen habe man am Sonntag auf die ISIS-Schriftzüge reagiert, sagt Jawad. Die Polizei wurde verständigt. Zudem überstrichen Mitglieder die Schmierereien mit weißer Farbe. Da es sich um politische Parolen handele, so Polizeisprecher Jürgen Wolf, ermittele das Kommissariat für Staatsschutz wegen des Verdachts der gemeinschädlichen Sachbeschädigung. Bislang seien solche Schmierereien in Kassel noch nicht angezeigt worden.

Sachbeschädigungen oder Schmierereien bei schiitischen Vereinen seien auch vom Landesamt für Verfassungsschutz Hessen in letzter Zeit nicht beobachtet worden, sagt Sprecher Sven Daniel. Welchen Hintergrund der hier vorliegende Sachverhalt hat, werde von den Strafverfolgungsbehörden ermittelt.

„Es verletzt uns zutiefst, dass wir mit dieser Diffamierung in die Nähe der IS-Terroristen gestellt, gar als solche gebrandmarkt werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. Zumal sich die Gräueltaten der IS-Terroristen im Irak und Syrien in erster Linie gegen schiitische Muslime richteten.

Vereinsmitglied Tamim Jawad geht davon aus, dass die Schmierereien eine Reaktion auf die Terrornschläge am Freitag in Tunesien, Frankreich und Kuwait mit insgesamt 65 Todesopfern sind. „Wir sind nicht nur definitiv der falsche Adressat dafür, sondern auch Opfer von Ignoranz“, sagt Jawad. In Kuwait seien am Freitag Dutzende Glaubensbrüder durch den IS-Terror in den Tod gerissen worden.

Der Verein will die Schmierereien als Weckruf verstehen. Wenn man den Umbau des im Jahr 2013 gekauften Gebäudes an der Miramstraße abgeschlossen habe, wolle man umgehend Kontakt mit anderen Glaubensgemeinschaften im Stadtteil aufnehmen, sagt Jawad. „Die Hosseinia soll als Stätte des Friedens und der Verständigung dienen, jetzt noch eher als vorher.“

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