Unternehmer will Mehrfamilienhaus bauen

Kahlschlag am Fasanenweg: Eigentümer rodet Fläche in Kassel ohne Genehmigung

Umgestürzte Bäume und abgeschnittene Sträucher: Weil der Grundstückseigentümer keine Genehmigung für das Vorhaben hatte, muss er mit einer Geldstrafe rechnen.
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Umgestürzte Bäume und abgeschnittene Sträucher: Weil der Grundstückseigentümer keine Genehmigung für das Vorhaben hatte, muss er mit einer Geldstrafe rechnen.

Auf einem Grundstück in Bettenhausen hat ein Unternehmer am Samstag mehrere Bäume gefällt. Eine Genehmigung gab es dafür nach Angaben der Stadt nicht. Auf der Fläche soll ein Mehrfamilienhaus stehen.

Kassel - Es muss etwa 7.15 Uhr gewesen sein, als Rainer Hunke und andere Anwohner am Samstagmorgen die ersten Motorsägen hören. Ein eher unübliches Geräusch, das aufhorchen lässt. Ist es in der Wohnstraße in Bettenhausen, die unmittelbar an den naturbelassenen Eichwald grenzt, sonst doch eher ruhig.

Eine Firma ist mit einem Bagger und mehreren Mitarbeitern angerückt. Sie ist damit beauftragt worden, Bäume und Sträucher, die auf dem Grundstück stehen, zu fällen. Auf Rainer Hunke wirkt das Vorgehen wie eine „Hauruck-Aktion“. Schon aus Sicherheitsgründen würden Bäume in dieser Größe doch nicht einfach so gefällt, wundert er sich. Die Stadt Kassel bestätigt: Eine naturschutzrechtliche Genehmigung nach Baumschutzsatzung gab es für das Grundstück am Fasanenweg nicht.

Ihm sei bewusst gewesen, dass er ab März nicht mehr roden kann, schildert der Eigentümer am Telefon. Er plant, auf dem Grundstück, das er vor Kurzem gekauft hat, ein Mehrfamilienhaus zu bauen. „Es handelt sich um Bauland, keine Grünfläche“, sagt er. „Wenn ich nicht bis zum 1. März gerodet hätte, hätte ich viele Monate verloren“, sagt der Unternehmer. Seiner Aussage nach hat er einen Bauantrag bei der Stadt eingereicht – wegen Corona sei alles komplizierter. Aber die Unterlagen habe er der Stadt vor zwei Wochen zukommen lassen. Ihm sei bewusst gewesen, dass es auf dem Grundstück schützenswerte Bäume gibt, aber er sei bereit, Ersatz zu pflanzen.

Der Unternehmer, der seinen Namen nicht in Zeitung lesen will, weist aber auch darauf hin, dass der Vorbesitzer bereits Probleme gehabt habe, weil ein Ast auf das Auto eines Anwohners gefallen sei. „Da standen nicht nur gesunde Bäume.“ Auch hätten die Nachbarn das Grundstück zuletzt in den Außenbereichen mitgenutzt – teilweise auch als „Komposthaufen“.

Bei der Fläche handelt es sich um ein bislang unbebautes Grundstück, auf dem sich die Vegetation in den vergangenen Jahren zu einem waldartigen Baumbestand natürlich entwickeln konnte, heißt es von der Stadt. Nach ersten Ermittlungen der Unteren Naturschutzbehörde handelt es sich bei den gefällten Bäumen um 18 Arten, deren Stammumfänge die Vorgaben aus der Satzung sehr deutlich übertreffen. Diese Bäume hatten einen das Grundstück prägenden Charakter, teilt die Stadt mit. Die hat deshalb ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Höhe des Bußgeldes wird im laufenden Verfahren festgesetzt, die Baumschutzsatzung lässt maximal 100 000 Euro zu.

Meterhoch gestapelt: Rainer Hunke blickt aus seinem Garten auf die gefällten Bäume.

Hunke wohnt seit mehr als zehn Jahren am Eichwald. In dieser Zeit hat das Grundstück mehrmals den Besitzer gewechselt. Die baufällige Wohnhütte, die dort steht, ist kaum noch zu erkennen. Sie ist teilweise eingestürzt, nachdem die gefällten Bäume, darunter Tannen und eine Birke, auf das Dach gefallen sind. Ursprünglich sei die Fläche wie ein Gartengrundstück angelegt gewesen, sagt Hunke. In der Hütte habe man aber wohnen können. Aufgrund der beliebten Lage gab es immer wieder Pläne, das Grundstück zu bebauen. „Die Vorhaben wurden aber bislang nie umgesetzt“, sagt Rainer Hunke.

Auf Anfrage teilt die Stadt mit: Bei der Bauaufsicht gibt es für das Grundstück am Fasanenweg keinen laufenden Vorgang. Das heißt: Bei der Behörde liegt kein Bauantrag vor. Läge ein solcher vor, wäre der bisherige Baumbestand auf dem Grundstück in Augenschein genommen worden. In einer Anhörung müsse jetzt geklärt werden, wer für den Schaden verantwortlich sei. (Kathrin Meyer)

Baumschutzsatzung

Die Satzung schreibt vor, dass Baumfällungen, Kronenrückschnitte und Wurzelabgrabungen vorher bei der Stadt zu beantragen sind. Auch stehen Nadelbäume ab einem Stammumfang von 100 Zentimetern und Laubbäume ab einem Stammumfang von 80 Zentimetern unter Schutz. Wenn es die Genehmigung gibt, einen geschützten Baum zu fällen, muss deshalb ein Ersatz gepflanzt werden. Hecken und Sträucher sind von der Satzung ausgenommen. Allerdings ist es verboten, in der Zeit vom 1. März bis 30. September über den Jahreszuwachs zurückzuschneiden oder zu roden, um brütende Vögel zu schützen.

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