Großer Konvoi durch die Innenstadt

Hunderte Biker demonstrieren gegen Fahrverbote: „Idioten gibt es leider überall“

Motorradfahrer soweit das Auge reicht: Der Protestkonvoi auf der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel.
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Motorradfahrer soweit das Auge reicht: In einem langen Konvoi ging es gestern von Bettenhausen Richtung Vorderer Westen und Frankfurter Straße.

Knapp 700 Biker aus Hessen und Niedersachsen demonstrierten am Sonntag (23.08.2020) in Kassel gegen Fahrverbote für Motorradfahrer an Sonn- und Feiertagen.

Kassel – Als der Parkplatz vor der Diskothek A7 in Bettenhausen voll und immer voller wurde, da strahlte Organisatorin Carmen Herwig. „Ich habe zwar gehofft, dass viele kommen, wusste es aber nicht“, sagt die begeisterte Harley-Fahrerin. Schon früh war am Sonntag klar: Die Motorradfahrer aus Kassel und Umgebung wollten mit Unterstützung von Bikern aus Gießen, Marburg und Göttingen Flagge zeigen. Und zwar gegen Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen sowie der Sperrung einiger Strecken. Bislang wurde darüber zwar diskutiert, vom Gesetzgeber gibt es dazu aber noch keine konkreten Initiativen. Damit das auch so bleibt, gingen gestern bundesweit Motorradfahrer demonstrierend auf die Straße.

An der Großveranstaltung in Kassel nahm auch der 63-jährige Hans Göpper aus Schauenburg-Hoof teil. „Auch bei mir vor der Haustür knallen einige Spinner viel zu schnell und viel zu laut durch“, sagt der selbstständige Schreiner, Glaser und Schlosser. Aber deshalb müsse man doch nicht allen anderen den Spaß am Motorradfahren verderben. Sein Vorschlag: Gezielte Kontrollen, härtere Strafen und genau darauf achten, was der TÜV erlaubt. „Ich habe berufsbedingt oft nur am Sonntag Zeit, da könnte ich mein Hobby dann gleich an den Nagel hängen“, sagt er.

Ähnlich sehen das Frank Weber (55) und Marc Schindehütte (46) aus Söhrewald. Dass es Motorradfahrer gebe, die viel zu schnell und deutlich zu laut unterwegs seien, lasse sich nicht wegdiskutieren, sagt Weber. Wenn es aber mal zu einem Verfahren wegen lärmintensiver Umbauten komme, dann werde das häufig eingestellt. Eine abschreckende Wirkung könne er da nicht erkennen. „Es sollte deutlich mehr Kontrollen geben, nicht nur am Edersee, sondern auch auf der Friedrich-Ebert-Straße“, findet Schindehütte.

Machte vor dem Start die Ansagen: Organisatorin Carmen Herwig am Treffpunkt in Bettenhausen.

Genau hier kommt der Demonstrationszug auf seinem Weg durch die Stadt später noch vorbei. Kurz vor dem Tross zeigen zwei andere Motorradfahrer, wie es nicht sein soll. Kurz vor dem Café Lange lassen sie die Motoren aufheulen und rasen viel zu schnell davon. Kopfschütteln bei den Gästen im Außenbereich. Die staunen danach über den beeindruckenden Motorradkorso. Den hört man zwar auch, aber für die völlig überflüssige Lärmspitze haben vorher andere gesorgt. „Idioten gibt es leider überall“, sagt Hans Göpper.

Das weiß auch Carmen Herwig. Die 57-jährige Organisatorin, die sich bei den Motorradfreunden Kassel und der Polizei für die Unterstützung bedankt, war gestern trotzdem rundum zufrieden. Man habe mit ganz vielen vernünftigen Motorradfahrern ohne Zwischenfälle für ein wunderbares Hobby geworben. Die Polizei hatte knapp 700 Teilnehmer gezählt, die Veranstalter 750. (Thomas Siemon)

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