14 Menschen leben in Gefahr

Einsturz droht: Haus muss geräumt werden – Familie sucht dringend Bleibe

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Soll abgerissen werden: Das mit Schindeln verkleidete Fachwerkhaus an der Sandershäuser Straße steht unter Denkmalschutz. Zudem ist es noch bewohnt.

Ein Haus in Kassel musste wegen Einsturzgefahr kurzfristig geräumt werden. Für die siebenköpfige Familie ein Schock - sie sucht jetzt dringend eine Bleibe.

  • Ein Haus in Kassel musste wegen Einsturzgefahr geräumt werden.
  • Die Bewohner musste kurzfristig ausziehen.
  • Eine Familie sucht noch immer dringend eine Bleibe.

Als die Bewohner des Hauses an der Sandershäuser Straße 17 in Kassel vor drei Wochen in ihren Briefkasten schauten, waren sie in hellem Aufruhr. Dort lag ein Schreiben der Stadt Kassel, mit dem sie aufgefordert wurden, ihre Wohnungen binnen 14 Tagen zu räumen.

Der Grund: Das Mietshaus sei einsturzgefährdet und dürfe nicht länger betreten werden. Ihr Vermieter habe den vom Bauamt geforderten Nachweis zur Standsicherheit nicht erbringen wollen. Dieser plane, das denkmalgeschützte Haus abzureißen.

Kassel: Haus einsturzgefährdet - Familie sucht verzweifelt neue Wohnung

Für die 14 bulgarischstämmigen Bewohner begann die schwierige Suche nach einer neuen Bleibe. „Wir suchen seit drei Wochen, finden aber nichts. In Zeiten von Corona ist es besonders schwer“, sagt Mahmud Ramadan, der mit seiner Familie nach wie vor in dem Gebäude lebt. Eigentlich hätten sie schon vor einer Woche ausziehen müssen. Die Stadt hatte mit einem Zwangsgeld von 250 Euro gedroht, falls sie sich länger in dem Haus aufhalten. „Aber wohin sollen wir?“, sagt Ramadan.

Zwei der insgesamt drei Familien haben inzwischen eine Wohnung gefunden, müssen aber noch ihren Umzug organisieren. Eine siebenköpfige Familie sucht noch verzweifelt. Mithilfe des Mieterbundes Nordhessen soll für sie nun möglichst schnell eine günstige Wohnung gefunden werden. Wenn durch Einstürze Bewohner zu Schaden kommen, sei der Eigentümer in der Verantwortung, sagt Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes.

Haus in Kassel musste geräumt werden: Einsturz drohte - Bäder im Haus unbenutzbar

Das mit Schindeln und Putz verkleidete Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde bis vor Kurzem von sechs Mietparteien bewohnt. Es ist schon seit vielen Jahren in schlechtem Zustand, bot aber günstigen Wohnraum. Der Eigentümer hielt sich mit Investitionen zurück, weil er ohnehin plante, das Gebäude mittelfristig abzureißen.

Schäden: So sieht es unter dem Putz aus.

Die Situation spitzte sich zu, als im Sommer 2019 ein Wasserschaden bemerkt wurde. Mehrere Bäder im Haus wurden unnutzbar. „Seitdem duschen wir bei Freunden“, erzählt Ramadan. Zudem hatte das erst spät bemerkte Leck weitere Schäden am Fachwerk hinterlassen.

Kassel: Hauseinsturz drohte - Gefahr für "Leib und Leben"

Bei einer Besichtigung durch das Bauamt im Herbst 2019 wurden „gravierende Mängel an statisch relevanten Gebäudeteilen“ festgestellt, von denen einige schon länger bestanden hatten. Es bestehe eine Gefahr „für Leib und Leben“, heißt es in dem Schreiben der Behörde. Auch im Dachbereich könne es zu lokalen Einstürzen kommen, stellte ein vom Eigentümer beauftragter Gutachter fest.

Hier befindet sich das Haus

Das Bauamt forderte den Eigentümer mehrfach auf, einen Nachweis zur Standsicherheit zu erbringen. Dieser lehnte dies ab. Er teilte der Stadt mit, dass er gar nicht beabsichtige, das Gebäude zu erhalten.

Haus in Kassel droht einzustürzen: Eigentümer hat Streit mit Denkmalamt

Doch unabhängig davon, dass noch Menschen in dem Haus leben, ist ein Abriss auch nach einer erfolgten Räumung nicht ohne Weiteres möglich. Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Weil für eine Instandsetzung laut eines Gutachtens mindestens 500 000 Euro nötig seien, will der Eigentümer nicht in das Haus investieren. Wie der Streit mit dem Denkmalamt ausgeht, ist noch offen.

Aufruf: Vermieter, die eine Wohnung für eine siebenköpfige Familie anbieten können, sollen sich bitte an den Mieterbund wenden: info@mieterbund-nordhessen.de, 0561/8164260

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