Dr. Hubert Kress hat 30 Jahre als Hausarzt gearbeitet

Hausarztpraxis in Kassel-Bettenhausen wird künftig Medizinisches Zentrum

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Seine Praxis wird zum Medizinischen Versorgungszentrum: Dr. Hubert Kress war 30 Jahre lang Hausarzt in Bettenhausen.

Lange hat Dr. Hubert Kress einen Nachfolger gesucht, der seine Praxis übernimmt – vergeblich. Jetzt hat er seine Praxis in Bettenhausen an die voramedic GbR verkauft.

Die Gesellschaft betreibt bereits mehrere Medizinische Versorgungszentren. Es ist ihm nicht leicht gefallen, aber er habe die Arbeitsplätze und vor allem die Versorgung im Stadtteil nicht gefährden wollen, sagt er. Dr. Kress ist kein Einzelfall: allein im Kasseler Osten sind zuletzt fünf Arztsitze weggefallen. Der Hauptgrund ist die schwierige Suche nach einem Nachfolger.

Immer weniger junge Ärzte wollen sich selbstständig machen und eine Arztpraxis übernehmen. Viele scheuen das wirtschaftliche Risiko und den hohen Verwaltungsaufwand, den eine Selbstständigkeit mit sich bringt. Hinzu kommt, so beschreibt es Dr. Kress, die Bevormundung und Überwachung durch Krankenkassen und verschiedensten Institutionen. 

Nur noch bis Ende August in der Praxis

Man habe, anders als früher, nicht mehr das Gefühl, selbstständig zu sein, da „einem ständig jemand reinredet“. Wer zu viel arbeitet, müsse mit Sanktionen rechnen. Zeitgleich unterliege man aber einer moralischen Verpflichtung, seinen Patienten zu helfen. Dies habe den Mediziner letztendlich an den Rand seiner Kräfte gebracht.

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Nun ist Dr. Kress nur noch bis Ende August in seiner früheren Praxis. Der Verkauf an die MVZ-Betreiber bedeute im Grunde genommen, dass sich für die Patienten nichts ändert, so der Arzt. Und das ist ihm am wichtigsten. „Bettenhausen ist ein besonderer Stadtteil, der es verdient, dass hier keine Lücke in der ärztlichen Versorgung entsteht“.

Gerade jetzt habe er gemerkt, wie dankbar die Menschen für seine Arbeit sind. Nachdem er seinen Ruhestand öffentlich gemacht hatte, sei die Resonanz riesengroß gewesen. Wenn er davon erzählt, bekommt der langjährige Mannschaftsarzt der Kassel Huskies gleich wieder eine Gänsehaut, so gerührt ist er. Viele würden sich an Momente in den 30 Jahren erinnern, in denen er ihnen geholfen habe und seien dafür noch immer dankbar.

"Man muss das einfach leben"

„Viele Bewohner im Stadtteil haben nicht viel Geld, für sie sei Gesundheit keine Selbstverständlichkeit“, sagt Dr. Kress. Gleichzeitig habe das für ihn in all den Jahren bedeutet, dass er nicht nur Hausarzt, sondern auch Sozialhelfer, Freund und Vertrauter war. Als die „Praxisgebühr“ damals eingeführt wurde, seien Patienten manchmal erst gekommen, wenn es eigentlich schon zu spät gewesen sei. Sie hätten sich den Arztbesuch nicht leisten können, erinnert sich Dr. Kress. Er habe dann teilweise die zehn Euro vorgestreckt, weil er seinen Patienten damit helfen wollte.

Nach Bettenhausen ist Dr. Kress, der in Marburg studiert hat, 1989 eher zufällig gekommen. Im praktischen Jahr am Marienkrankenhaus habe er einen Mediziner kennengelernt, der dann plötzlich schwer erkrankt sei. Dr. Kress half damals in dessen Praxis aus. Als er dann vor der Entscheidung stand, die Praxis in Bettenhausen zu übernehmen, habe er nicht gezögert und seine Entscheidung auch nie bereut.

Er glaubt, dass man als selbstständiger Arzt aufgrund der größeren Verantwortung vielleicht auch mehr Herzblut in die Aufgabe stecke. „Man muss das einfach leben“ sagt er.

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