Woche der Menschen mit Behinderung

Vom Lehrling zum Geschäftsführer: René Wehnhardt hat sich mit Handicap zurückgekämpft

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Seine Behinderung sieht man ihm nicht an: René Wehnhardt hat sich seinen Weg zum Inhaber von „Mauer’s baikschopp“ hart erarbeitet.

Vor zwölf Jahren ist René Wehnhardt dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. Heute leitet der 53-Jährige „Mauer’s baikschopp“ an der Leipziger Straße.

Vor zwölf Jahren ist René Wehnhardt dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. Heute leitet der 53-Jährige „Mauer’s baikschopp“ an der Leipziger Straße und ist ein Beispiel einer erfolgreichen Integration von Menschen mit Handicap ins Arbeitsleben.

Wehnhardts Geschichte geht so: Eigentlich wollte Wehnhardt im Sommer 2007 nur zwei Mädchen helfen, die auf offener Straße in Winterberg tagsüber von vier Personen belästigt wurden. 

Doch der damals 41-Jährige wurde bei seiner Rettungstat selbst zum Opfer und von den vier Personen zusammengeschlagen. Sein Gesicht wurde dabei komplett zerstört. 58 Schrauben und 22 Platten zierten während des sechswöchigen Aufenthalts in der Universitätsklinik Marburg sein Gesicht. 

In der letzten von drei Operationen, nach der er drei Tage im Koma lag, wurde sein Gesicht innerhalb von neuneinhalb Stunden wieder hergerichtet.

Handicap beeinträchtigt manchmal die Arbeit

Mit den Folgen des Überfalls hat Wehnhardt heute noch zu kämpfen. Seine rechte Gesichtshälfte ist taub. Mal mehr, mal weniger habe er Schmerzen, Migräneanfälle und ziehende Schmerzen, von denen auch der Sehnerv betroffen ist. 

„Es gibt Tage mit Schmerzen, da muss ich einen Gang zurückschalten.“ Zwischenzeitlich seien die Schmerzen so stark gewesen, dass er seiner Arbeit nicht mehr richtig nachgehen konnte. 

Seinem Arbeitgeber, bei dem er bis dahin als Berater in der Gebäudetechnik tätig war, gefiel das überhaupt nicht. „Du kannst gehen“, habe er zudem gesagt.

Die Folge: Arbeitslosigkeit. „Ich hatte das Gefühl, mir wird der Boden unter den Füßen weggerissen.“ Er musste sich etwas Neues suchen. In dieser Zeit äußerten sich Skepsis, Bedenken und Zukunftsängste. „Man kann komplett resignieren oder sich neue Wege suchen.“

Mit Handicap vom Lehrling zum Geschäftsführer

Durch Zufall stieß er auf Helmut Mauer, den er schon länger kannte und der auf der Suche nach einem Nachfolger für sein Fahrradgeschäft war. Nach reichlichen Überlegungen entschied er sich 2016 dazu, eine Lehre als Zweiradmechatroniker bei„Mauer’s baikschopp“ anzufangen. 

Zweieinhalb Jahre und eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung später übernahm er prompt die Geschäftsführung. Seit dem 1. Oktober diesen Jahres gehört Wehnhardt der Laden komplett.

Menschen mit Handicap eine Chance geben

Ein hart erarbeiteter Weg für den 53-Jährigen aus Niestetal, der ohne Unterstützung von der Familie, seinen Kollegen oder der Agentur für Arbeit nicht möglich gewesen wäre. „Man kann den Leuten nicht genug danken. Alleine wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen.“

Wehnhardt hat das Schlechte zum Guten gewendet. „Wenn das nicht passiert wäre, würde ich hier nicht sitzen“, sagt der Unternehmer, der schon einigen Kollegen, die eine Geschichte zu erzählen haben, eine Perspektive bot. Durch sein Beispiel will er – genau wie die Agentur für Arbeit – auch anderen Menschen Mut machen. Er appelliert daran, Menschen mit Handicap eine Chance zu geben.

Aktionswoche für Menschen mit Handicap

Beschäftigte mit Behinderung sind in vielen Unternehmen immer noch eine Ausnahme. Daher wirbt die Agentur für Arbeit in der bundesweiten „Woche der Menschen mit Behinderung“ vom 2. bis zum 6. Dezember bei Arbeitgebern für mehr Inklusion. 

Mit dieser Aktionswoche will die Agentur für Arbeit auf das Beschäftigungspotenzial von Menschen mit Handicap aufmerksam machen und für dieses Thema sensibilisieren.

Markus Häusling ist Justizvollzugsbeamter in der JVA Kassel I und aufgrund einer Erkrankung seit elf Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen.

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