Viele Anwohner ziehen schon weg

Ärger auf Bettenhäuser Dorfplatz: Anwohner fühlen sich nicht sicher

Anita Franic wohnte elf Jahre am Bettenhäuser Dorfplatz in Kassel, wo im Sommer vor allem Männer Alkohol trinken.
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Zog aus Angst um ihre Kinder weg: Anita Franic wohnte elf Jahre am Bettenhäuser Dorfplatz, wo im Sommer vor allem Männer Alkohol trinken.

Dreck, Lärm und sexuelle Belästigungen durch trinkende Männer - die Situation auf dem Bettenhäuser Dorfplatz wird immer schlimmer, klagen Anwohner. Die Politik ist ratlos.

Bettenhausen – Nach elf Jahren hat es Anita Franic nicht mehr ausgehalten am Bettenhäuser Dorfplatz. Lange war der liebevoll sanierte Platz an der Losse im Zentrum des Kasseler Stadtteils ein Idyll. Doch seit einigen Jahren treffen sich hier benachbarte Familien und deren Freunde. Dutzende Kinder spielen Fuß- und Basketball, vor allem Männer trinken Alkohol, urinieren in die Büsche und belästigen die Anwohner, wie nicht nur Franic klagt.

Die in Bettenhausen aufgewachsene Frau ist nun nach Sandershausen gezogen, um ihre Kinder zu schützen, wie sie sagt: „Wenn meine erwachsene Tochter abends nach Hause kam, ging das nie ohne Belästigungen der Männer vor unserer Haustür.“

Das Problem auf dem Dorfplatz beschäftigt viele Bettenhäuser, wie unsere Berichterstattung Anfang Oktober zeigte. Nun war die Situation Thema im Ortsbeirat, wo eine Anwohnerin berichtete: „Es ist eine Katastrophe.“ Aus Angst vor Reaktionen sollen wir ihren Namen nicht nennen. Eine Lösung fanden die Ortsbeiratsmitglieder auch nach lebhafter Diskussion nicht. Darum wollen sie sich in den nächsten Monaten Einblicke bei einem Ortstermin verschaffen.

An lauen Sommerabenden wird der Platz vor allem von Bulgaren als Treffpunkt genutzt, die in drei Mehrfamilienhäusern in der Erfurter Straße wohnen. Den Zugang zum Garten dort hat ihnen ihr Vermieter untersagt, weil sie den oft als Grillplatz genutzt und ihre Notdurft im Grünen verrichtet hätten, wie der Besitzer der HNA sagte.

Laut Jörg Steiner vom Polizeirevier Ost ist es auf dem Platz dieses Jahr etwas ruhiger geworden. Alfons Fleer von den Grünen glaubt das nicht: „Dass die Leute nicht mehr anrufen, liegt daran, dass sie schon so oft angerufen haben und dann niemand rausfährt.“

Zuletzt hatte der Ortsbeirat beantragt, eine Streetworker-Stelle zu schaffen. Doch Personal für die zugehende Sozialarbeit, wie der Fachbegriff lautet, gibt es laut Bürgermeisterin Ilona Friedrich (SPD) nur, wenn es etwa um Drogenkonflikte geht. Das ist in Bettenhausen nicht der Fall.

Auch ein Alkoholverbot, wie manche Anwohner und Ortsbeiratsmitglieder fordern, würde laut Michael Lange vom Ordnungsamt „nichts bringen“. Denn auch dann sei es schwierig, Sanktionen zu verhängen.

Eine Möglichkeit wäre es, die Sitzbänke abzubauen, damit der Dorfplatz nicht mehr so attraktiv ist. Die ehemalige Anwohnerin Franic glaubt, dass sich das Problem dann lösen würde: „Dann gibt es dort nur noch spielende Kinder.“ Ortsvorsteher Volker Zeidler (SPD) indes ist skeptisch: „Auf so einen Platz gehört auch Möblierung. Sonst ist er kein Platz mehr zum Verweilen.“

Der Grüne Fleer fordert, dass sich möglichst bald etwas tut: „Sonst zieht hier einer nach dem anderen weg.“ (Matthias Lohr)

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