Halbseitiges Parken auf dem Bürgersteigt ist nicht mehr erlaubt, aber kaum jemand weiß es

Parken auf dem Gehweg: Kurioser Streit um verschwundene Schilder in Kassel

Einige Autos parken noch immer auf dem Gehweg: Antonio Garcia hat erst durch ein Knöllchen mitbekommen, dass das Parken dort nicht mehr erlaubt ist.
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Einige Autos parken noch immer auf dem Gehweg: Antonio Garcia hat erst durch ein Knöllchen mitbekommen, dass das Parken dort nicht mehr erlaubt ist.

Plötzlich gibt es in der Osterholzstraße in Kassel Knöllchen, wenn man auf dem Gehweg parkt. Die Stadt sagt aber, die Schilder sind eigentlich schon seit 2011 nicht mehr da.

Antonio Garcia wohnt seit vielen Jahren in der Osterholzstraße in Bettenhausen. Sein Auto hat er in all dieser Zeit immer vor der Haustür geparkt – auf dem Gehweg. Bis vor einigen Wochen. Da nämlich hat er von der Stadt ein Knöllchen bekommen. „Ich war verwundert“, sagt Garcia. Er war sich keiner Schuld bewusst. Standen an der Straße doch immer Schilder, dass es in der schmalen Straße erlaubt sei, halbseitig auf dem Gehweg zu parken. Doch plötzlich waren die nicht mehr da. Was ist denn da los?

Auch viele andere Anwohner sind sich sicher, dass die Schilder dort vor nicht allzu langer Zeit noch standen. Eins an der Ecke zur Erfurter Straße, das andere an der Lossebrücke. „Einige haben noch kein Knöllchen bekommen und es deshalb wahrscheinlich noch gar nicht gemerkt“, sagt Garcia. Das wird auch dem schnell deutlich, der einen Blick auf die parkenden Fahrzeuge zwischen Leipziger Straße und der Brücke über die Losse wirft. Das eine Auto steht auf dem Bordstein, das nächste nicht, dann stehen wieder zwei auf dem Bordstein, dann wieder nicht.

Auf Anfrage heißt es von der Stadt: Die Osterholzstraße befinde sich innerhalb einer Tempo-30-Zone und ist in diesem Abschnitt 6,50 Meter breit. Es könne dort problemlos am Fahrbahnrand geparkt werden. Zwischen 1977 und 2011 sei in dem Bereich halbseitiges Gehwegparken erlaubt gewesen. Die Beschilderung habe sich seit 2011 nicht geändert, so die Stadt. Ordnungswidrig abgestellte Fahrzeuge würden geahndet.

Antonio Garcia hält das Ganze für einen Aprilscherz. Er bleibt dabei, dass die Schilder noch keine zehn Jahre weg sein können. Schließlich hätten er und viele andere die ganze Zeit ein Stück auf dem Gehweg geparkt – und das sei auch nie geahndet worden.

Er findet, man hätte eine Veränderung der Parkordnung irgendwo ankündigen können. Zumal es in der Straße oftmals zu brenzligen Situationen kommt. „Hier fahren Lieferanten durch, die zu den Gewerbebetrieben wollen, während der Bauarbeiten an der Pfarrstraße ist sogar der Bus hier durchgefahren. Auch an Tempo 30 hält sich kaum jemand.“ Mehrfach sind hier schon Spiegel abgefahren worden, berichten Anwohner.

„Der Gehweg ist breit genug, wieso soll man dort nicht wie all die Jahre auch parken“, fragt sich Antonio Garcia. Seinen Einspruch auf den Bußgeldbescheid hat die Stadt abgelehnt. „Aber mir geht es ja gar nicht um die 20 Euro“, sagt der Anwohner. „Es wäre einfach fair gewesen, bei einer Änderung die Anwohner zu informieren.“ (Kathrin Meyer)

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