Immobilie steht unter Denkmalschutz

KVG will ins Hallenbad Ost: Gebäude gehört wieder Städtischen Werken

Steht seit fast zehn Jahren leer: Das Hallenbad-Ost gehört jetzt wieder den Städtischen Werken. Diese wollen das denkmalgeschützte Gebäude nun vermutlich doch für eigene Zwecke nutzen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Das Hallenbad Ost gehört wieder den Städtischen Werken. Diese wollen es nun für die KVG nutzen.

Lexikonwissen:

Das Hallenbad Ost im Regiowiki

Fast zehn Jahre liegt das ehemalige Hallenbad Ost inzwischen brach. Es gab schon verschiedene Pläne für eine neue Nutzung – doch alle haben sich zerschlagen. Zuletzt war vorgesehen, das Gebäude an der Leipziger Straße als Flüchtlingsunterkunft herzurichten. Doch auch daraus wird nun nichts. Der zwischenzeitliche Besitzer, der Unternehmer und Architekt Gotthard Fels, hat das denkmalgeschützte Gebäude bereits an die Städtischen Werke zurückgegeben. Es soll nun offenbar zur Nutzung für die KVG hergerichtet werden.

2014 hatte Fels mit seiner Kasseler Firma GFI Immobilien das denkmalgeschützte Gebäude von den Städtischen Werken übernommen. Im Vertrag war eine Option zur Rückgabe festgehalten, von der er nun Gebrauch gemacht habe, sagte Fels auf Anfrage der HNA.

Er wollte zunächst Büros in dem Baudenkmal einrichten. Doch mehrere Interessenten machten Rückzieher. Auch das Vorhaben, das alte Hallenbad um einen Neubautrakt zu erweitern und als Standort für das Kasseler Jobcenter herzurichten, scheiterte. In einer EU-weiten Ausschreibung, bei der in der Regel das wirtschaftlichste Angebot zum Zuge kommt, hatte Fels das Nachsehen. Das Jobcenter wird nun an der Wolfhager Straße gebaut.

Gotthard Fels

Auch der noch vor einem Jahr geplante Umbau der denkmalgeschützten Immobilie zur Gemeinschaftsunterkunft zerschlug sich: Die Kosten wären zu hoch gewesen und inzwischen gibt es ohnehin keinen Bedarf mehr für weitere Flüchtlingsheime.

Durch die Denkmalschutzauflagen und die Tatsache, dass das Grundstück von Versorgungsleitungen durchzogen ist, die mit Rechten belegt sind, seien die Entwicklungsmöglichkeiten der Liegenschaft „extrem eingeschränkt“, bilanziert Fels sein zweijähriges Intermezzo. Dabei hat er viel Erfahrung mit der Sanierung alter Baudenkmäler: So hat er unter anderem das Karlshospital an der Fulda und das ehemalige Gefängnis Elwe erfolgreich aufgemöbelt.

Hier sehen Sie Bilder vom Hallenbad Ost

Nun ist das Hallenbad also wieder in der Hand der ursprünglichen Eigentümerin: der Städtischen Werke. Diese planen nun eine Verwendung für eigene Belange innerhalb des KVV-Konzerns, sagt Werke-Sprecher Ingo Pijanka auf Anfrage. Details nannte er nicht. Nach Informationen der HNA soll das Gebäude für die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) hergerichtet werden. Das ehemalige Hallenbad liegt in direkter Nachbarschaft des Betriebshofs an der Sandershäuser Straße. Die Idee ist nicht neu: Schon 2010 gab es Pläne, im leerstehenden Hallenbad Büros, Werkstätten und Lagerflächen für die KVG zu schaffen. Doch das Vorhaben verlief im Sande.

Fels ist bereit, die Städtischen Werke bei der weiteren Planung zu unterstützen. „Ich habe umfangreiche Ausarbeitungen in meiner Schublade, die man sicher teilweise verwenden könnte.“

Geschichte des Hallenbades

Das Hallenbad Ost an der Leipziger Straße wurde 1930 eröffnet. Entworfen hat es der Kasseler Architekt Fritz Graubmann im Bauhaus-Stil. Mit seinen Wannen- und Brausebädern war das Bad seinerzeit auch eine beliebte Einrichtung zur Körperpflege. 1943 wurde das Gebäude durch Bomben schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde das Bad wiederaufgebaut und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach umgebaut und technisch nachgerüstet. Seit 1977 steht der Backsteinbau als Zeugnis der ausgehenden Moderne unter Denkmalschutz. Im Mai 2007 wurde das einzige Bad im Kasseler Osten wegen akuter baulicher Schäden sprichwörtlich über Nacht dicht gemach. Das Dach war nicht mehr sicher. Aus Kostengründen – eine Sanierung hätte mindestens 6,5 Mio. Euro gekostet – wurde das Bad dann ganz aufgegeben. Die Besucherzahlen waren ohnehin stark zurückgegangen und lagen zuletzt bei 36.700 Badegästen im Jahr. Zum Vergleich: In den 1950er-Jahren kamen noch mehr als 230.000 Besucher im Jahr zum Baden. 

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