Zahlreiche Camping-Gespanne standen auf Wiesen in Südstadt

Roma parkten in der Aue: Landfahrer auf Fläche in Bettenhausen verwiesen

Wiese als Stellfläche: Am Wochenende standen die Wohnmobilgespanne mit ausländischen Kennzeichen in der Nähe der Sportplätze Giesewiesen. Am Montag verwies sie die Stadt auf den Landfahrerplatz in Bettenhausen.
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Wiese als Stellfläche: Am Wochenende standen die Wohnmobilgespanne mit ausländischen Kennzeichen in der Nähe der Sportplätze Giesewiesen. Am Montag verwies sie die Stadt auf den Landfahrerplatz in Bettenhausen.

Seit dem Wochenende hatte man den Eindruck, der Kasseler Campingplatz ist erweitert worden. Plötzlich standen nämlich auf der Wiese unweit der Sportplätze Giesewiesen zahlreiche Wohnwagengespanne mit ausländischen Kennzeichen.

Die geparkten Fahrzeuge sorgten für Verwunderung und werfen Fragen auf – besonders in Coronazeiten: Was ist denn da los? Bei den „Urlaubern“ handelt es sich um eine Roma-Familie, die zuletzt einige Tage in Bad Emstal im Landkreis Kassel ihr Lager aufgeschlagen hatte. Da der Wohnmobilstellplatz am dortigen Kurpark mit den 14 Gespannen mehr als überfüllt war, hatte die Gemeinde der nach eigenen Angaben aus 40 Personen bestehenden Roma-Familie eine Frist bis zum Sonntag gesetzt. Gegenüber der HNA hatte der Wortführer der Familie gesagt, dass man noch nicht wisse, wohin man weiterreisen wolle und hoffe, einen Platz zu finden. Der nächste Halt war dann ab Samstag eine Wiese in der Kasseler Südstadt. Damit zogen die Roma gerade am Sonntag die neugierigen Blicke vieler Spaziergänger auf sich.

Die Familie bestehe aus Deutschen und Franzosen, sagt der Mann, der nur seinen Vornamen Josef nennen will. Überall, wo man Station mache, bekomme man die Ablehnung der Einheimischen zu spüren, so der 44-Jährige. Mal mehr, mal weniger. Man habe immer mit denselben Vorurteilen zu kämpfen. „Die Leute sagen, wenn sie uns Roma sehen, die klauen. Aber so sind wir nicht.“ Den Lebensunterhalt verdiene man sich durch das Schleifen von Werkzeugen, vor allem in der Industrie, sagt Josef. Derzeit gestalte sich das allerdings etwas schwierig wegen der Corona-Pandemie. Die mache ihnen das Leben sowieso deutlich schwerer. „Die Leute wollen uns jagen. Jetzt haben sie einen Grund: Corona.“

Die Ablehnung, die sie erfahren, „ist tausend Mal schlimmer seit Corona“. Josef sagt: „Die Leute haben das Gefühl, wir bringen ihnen Corona.“ In Bad Emstal habe man sich nicht so bedrängt gefühlt, da habe man schon sehr viel Schlimmeres erlebt. „Manchmal sind nachts Leute gekommen und haben geschrien: Zigeuner.“ Die Familie habe sich gefürchtet, dass ihnen die Wagen angezündet würden. „Man ist gegen uns.“ Der in Norwegen Geborene weiter: „Fremde kommen und machen Fotos von uns, ohne zu fragen. Und sie sind nicht freundlich.“

In Kassel hat die Stadt die Familie mit ihren Gespannen jetzt auf den Landfahrerplatz an der Königinhofstraße verwiesen. „Dort dürfen sie über Ostern bleiben“, sagt ein Sprecher der Stadt Kassel. Bald wird es weitergehen. „Unser Leben“, sagt Josef, „ist das Reisen“.

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