Bremer Architekten investieren 1,5 Millionen Euro

Musik hinter dicken Mauern: Bunker in Kassel-Bettenhausen wird umgebaut

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Öffnung wurde acht Tage lang ausgesägt: Die Außenwände des Hochbunkers haben Stärken zwischen zwei und 2,40 Metern. 

Mit seinen bis zu 2,40 Meter dicken Außenwänden bot der Hochbunker am Dormannweg Schutz vor den Bomben im Zweiten Weltkrieg. Künftig wird er die Nachbarschaft vor dem Lärm der Bands schützen.

Nach einem Umbau haben sie dort Platz in einem der 70 Proberäume.

Das Bremer Architekturbüro Mielke und Freudenberg lässt den Beton-Riesen in Bettenhausen derzeit für 1,5 Millionen Euro herrichten. Im Sommer 2020 sollen die ersten Bands das Domizil beziehen.

Acht Tage lang liefen die Spezialbohrer und Sägen, bis im Obergeschoss des Bunkers zwei Öffnungen entstanden waren. Durch diese Fensteröffnungen kann im Brandfall der Rauch entweichen. Doch vor dem Projektleiter Jörg Hoefer liegt noch viel Arbeit. Zwar wird der Bunker seinen rauen Charme behalten, aber dennoch müssen noch Elektroleitungen, Sanitäranlagen und ein Wasseranschluss eingebaut werden. Zudem wird in dem viergeschossigen Bunker ein Fahrstuhl installiert.

Im Zweiten Weltkrieg fanden bis zu 1600 Menschen in dem ab 1942 gebauten Hochbunker Platz. Er gehörte zur zweiten Generation der Bunker und war schon wesentlich massiver errichtet worden als etwa der Bunker an der Gräfestraße. Er hielt drei Bombentreffern stand, erzählt Hoefer. Die Bomben hatten Krater in das Flachdach des Bunkers gerissen. Nachdem Regen die Krater gefüllt hatte, wurden sie in der Nachkriegszeit als Dachpool von den Kindern aus der Nachbarschaft genutzt.

Jede Menge kleine Räume: Im Hochbunker gibt es nur wenige große Räume.

Ursprünglich gehörte noch ein flacher Bunker, der sich an der Leipziger Straße erstreckte, zur Anlage. Dieser Teil wurde aber bereits vor Jahrzehnten für Wohnzwecke umgenutzt.

In den 1960er- und 70er-Jahren wurde der Bunker zum Atombunker aufgerüstet. Die Entlüftungstechnik, ein Sandfilterraum sowie die massiven Schleusen stammen noch aus dieser Zeit. Die Lüftungsanlage soll auch künftig wieder genutzt werden, um für ausreichend Frischluft im Bunker zu sorgen.

Eine Sanierung für Wohnzwecke sei in der Lage derzeit nicht rentabel, erzählt Hoefer. Zudem sei der Bedarf an Proberäumen groß. Der Investor Mielke und Freudenberg aus Bremen hat schon viel Erfahrungen gesammelt mit Musikbunkern. Die Bremer hatten den Bunker schon vor einigen Jahren von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft. Wegen anderer Projekte verzögerte sich aber die Baustelle in Kassel.

Sobald der Umbau abgeschlossen ist, soll zunächst der Verein Rockbüro einziehen. Dieser ist bislang im Agathof-Bunker ansässig und vermietet dort Proberäume. Weil die Stadt den Bunker an der Agathofstraße (ebenfalls Bettenhausen) aber sanieren will, muss der Verein ausziehen.

Das Rockbüro wird auch im Bunker am Dormannweg künftig die Verwaltung und Vermietung der Proberäume übernehmen.

Lesen Sie dazu: Bunkerumbau: Wohnen in der Festung in Kassel-Rothenditmold

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