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Wegen Mitgliederschwund: SPD-Ortsvereine im Kasseler Osten schließen sich zusammen

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Von: Matthias Lohr

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Industriedenkmal im Kasseler Osten: Die ehemalige Salzmann-Fabrik in Bettenhausen.
Industriedenkmal im Kasseler Osten: Die ehemalige Salzmann-Fabrik in Bettenhausen. Die SPD des Stadtteils hat sich mit den Genossen in Forstfeld, Unterneustadt und Waldau zusammengetan. © Andreas Fischer

Die SPD ist immer noch die Partei mit den meisten Mitgliedern in Kassel. Aber auch bei den Genossen fehlen die Aktiven. Darum gibt es nun einen neuen XXL-Ortsverein.

Kassel – Der Mitgliederschwund in der Kasseler SPD hat die politische Arbeit von Dirk Seeger verändert. Der Ortsvorsteher aus Waldau ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins seines Stadtteils. Wie anderswo auch sind immer weniger Mitglieder bereit, sich aktiv einzubringen. So musste Seeger das Protokoll von Sitzungen mitunter selbst schreiben. „Zuletzt war ich mehr mit administrativen Aufgaben als mit Inhalten beschäftigt“, sagt er.

Das soll sich nun ändern. Vier Ortsvereine im Kasseler Osten schließen sich zusammen. Bettenhausen, Forstfeld, Unterneustadt und Waldau bilden dann den neuen Ortsverein Kassel-Ost. Bei der konstituierenden Sitzung heute (19 Uhr) im Hessischen Hof in Waldau soll die Landtagsabgeordnete Esther Kalveram zur Vorsitzenden gewählt werden. In der SPD gibt es dann nur noch 19 Ortsvereine – bei 23 Stadtteilen.

Mit der Fusion reagieren die Sozialdemokraten auf den Mitgliederschwund. Mit 1273 Genossen ist die SPD immer noch die mit Abstand größte Kasseler Partei – vor den Grünen (etwa 550 Mitglieder) und der CDU (474). Aber einbringen wollen sich laut Kalveram oft immer nur dieselben Leute: „Der Mitgliederschwund macht sich vor allem bei den Aktiven bemerkbar.“

Über einen Zusammenschluss diskutieren die Sozialdemokraten östlich der Fulda schon lange. Vor allem in Waldau gab es laut Seeger einst Vorbehalte gegen eine Fusion und den Verlust der Eigenständigkeit. Längst hört man jedoch von allen Seiten nur Zustimmung. Auch der SPD-Vorsitzende Ron-Hendrik Hechelmann sagt: „Die Fusion der Ortsvereine baut Bürokratie ab und schafft mehr Zeit und Raum für Inhalte und Projekte in den Stadtteilen. Viele inhaltliche Themen enden nicht an der Stadtteilgrenze.“

Im Osten hat man das in den vergangenen Jahren vor allem beim städtebaulichen Entwicklungskonzept Isek gespürt. Stadtteilübergreifend erarbeiteten Planer und Ortsbeiräte die Entwicklungsmöglichkeiten von Quartieren – etwa entlang des Wahlebachs. Auch die designierte Vorsitzende Kalveram erhofft sich vom Zusammenschluss viele Vorteile. Bislang habe man sich in den Ortsvereinen fast nur mit Themen aus den Ortsbeiratssitzungen beschäftigt: „Für größere Themen ist nur selten Zeit gewesen. Das wird sich nun ändern.“ Stadtteilbezogene Aktivitäten wie das Dorfplatzfest in Bettenhausen, das Oktoberfest im Forstfeld und die Radtour in Waldau soll es weiterhin geben.

Kalveram will den neuen Ortsverein mit Vertretern aus allen vier Stadtteilen als Team führen. Wie groß der Vorstand wird, entscheidet sich erst heute Abend, wenn die Satzung erarbeitet wird. Auch die Ortsvorsteher Dirk Seeger (Waldau) und Volker Zeidler (Bettenhausen) wollen sich einbringen. Zeidler sagt: „Mit etwa 120 Mitgliedern werden wir eine starke Stimme in der Kasseler SPD sein.“

Zeidler ist im parteiinternen Streit einer der Unterstützer von Oberbürgermeister Christian Geselle, der am 12. März als unabhängiger Kandidat gegen die SPD-Frau Isabel Carqueville zur Wiederwahl antritt. Im Kasseler Osten denken viele wie er. Laut Kalveram wird „der Konflikt hier anders gesehen als in anderen Ortsvereinen“. In Mitte soll es dagegen mehr Genossen geben, die für Carqueville sind. Traditionell gehörte dieser Teil der Kasseler SPD zum bisherigen Ortsverein Altkassel-Bettenhausen, was schon geografisch ungewöhnlich war. Nun gibt es wieder einen Ortsverein Mitte. Am Dienstag wurden Dieter Seidel (66) und Manon Koch (29) zu Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter ist Asib Malekzada (34).

Mit 45 Mitgliedern gehört Mitte zu den kleineren SPD-Ortsvereinen. Eine Fusion schließt der langjährige Gewerkschafter Seidel erst einmal aus: „Wir können das so hinkriegen.“ Über die konstituierende Sitzung sagt er: „Insgesamt verlief die Versammlung sehr konstruktiv und harmonisch, bei der Kasseler SPD ist das sicher keine Selbstverständlichkeit.“

Dass es auch ohne Ortsvereine geht, zeigen die Grünen, die auf Stadtteilebene keine Gremien haben. Und bei der CDU fusioniert man ebenfalls. Zuletzt haben sich die Christdemokraten in Bettenhausen, Forstfeld und der Unterneustadt zusammengetan. Mittlerweile gibt es nur noch 17 CDU-Stadtbezirksverbände. (Matthias Lohr)

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