Schutzmauer soll Lärm mindern

Kasseler Recyclingfirma will Betriebszeiten erweitern - Anwohner klagen über Dauerlärm

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Lärmschutzwand geplant: Anwohner hatten seit Jahren die Lautstärke beklagt, die von dem Unternehmen in Bettenhausen ausgeht. Auf dem Gelände wird Metallschrott verarbeitet.

Die Firma an der Ochshäuser Straße in Kassel verarbeitet größtenteils Metalle. Der dadurch entstehende Lärm sorgt seit Jahren für Beschwerden von Anwohnern.

Die Firma an der Ochshäuser Straße verarbeitet nämlich Schrott – größtenteils Metalle. Der dadurch entstehende Lärmpegel sorgt seit Jahren für Beschwerden von Anwohnern.

Anita Fischer wohnt im Bettenhäuser Ortskern, unbeschwert in den Garten gehen, das kann sie mittlerweile nicht mehr. Der Grund: Lärm, der von der Firma TSR Recycling ausgeht. Eigentlich gäbe es keine Tageszeit, zu der das laute Geschepper an Wochentagen nicht zu hören sei. Die Metallteile würden aus großer Höhe fallengelassen, statt abgelegt, ärgert sich Fischer.

Die Firma an der Ochshäuser Straße verarbeitet nämlich Schrott – größtenteils Metalle. Der dadurch entstehende Lärmpegel sorgt seit Jahren für Beschwerden von Anwohnern. Jetzt will TSR seine Betriebszeiten ausweiten. Als Grund dafür nennt das Unternehmen eine Zunahme der Schrottmenge bei Großlieferanten. Um den Lautstärkepegel zu mindern, soll eine Schallschutzwand errichtet werden.

Lärm ist auch im Eichwald zu hören

„Seit Jahren haben wir massive Beschwerden über Lärmbelästigung“, sagt Ortsvorsteher Harry Völler. Der Lärm sei teilweise sogar im Eichwald und an der Lilientalstraße zu hören.

Hier liegt die Firma.

TSR hat jetzt einen Antrag beim Regierungspräsidium gestellt, um die Ausweitung der Betriebszeiten und den Bau der Schutzwand genehmigen zu lassen. Was ist konkret geplant? Zu den Bahngleisen hin soll eine 80 Meter lange Schallschutzwand errichtet werden, die den Lärm von beiden Seiten aufnimmt. Im Bereich der Schrottschere und der Lagerflächen werde eine Befeuchtungsanlage zur Staubminderung installiert.

Zukünftig soll die Betriebszeit zwischen 6 und 20 Uhr liegen. Bisher lief der Betrieb an Wochentagen von 7.15 bis 16 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr. Müssen die Anwohner jetzt also mit noch mehr Lärm rechnen? 

Vorgeschriebene Lärmwere würden eingehalten werden

Innerhalb der neuen Betriebszeiten würden mehr Schrottmengen umgeschlagen, heißt es vom Unternehmen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmwerte würden eingehalten. Dank der Errichtung der Schutzwand könne die Gesamtlärmsituation verbessert werden.

Der Schrottplatz befindet sich in einem Mischgebiet – mit Gewerbebetrieben und Wohnbebauung. Die erlaubte Lautstärke liegt bei 60 Dezibel. In einem reinen Industriegebiet dürfte sie bei 70 Dezibel liegen. Zur Ermittlung der Lärmwerte würden die Maximalwerte herangezogen und dann ein Durchschnittswert für den Tag ermittelt, heißt es vom Regierungspräsidium. 

Natürlich sei es ein Unterschied, ob die Metallteile in einen Container gelegt oder fallengelassen würden. Aber auch so entstehende Spitzenpegel dürften nicht unbegrenzt überschritten werden. Zur nächstgelegenen Wohnimmobilie seien es knapp 200 Meter. Die Werte würden mit Messungen überprüft.

Unternehmen beschäftigt 2500 Mitarbeiter

TSR hat europaweit 150 Niederlassungen, an denen 2500 Mitarbeiter beschäftigt sind. Das Unternehmen bereitet Eisen- und Nichteisenmetalle auf. Der Kasseler Standort hat eine Fläche von 28.000 Quadratmetern. 24 Mitarbeiter sind dort angestellt – durch die Erhöhung der Menge würden drei Auszubildende eingestellt, heißt es.

Der Ortsbeirat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 26. September, um 19.30 Uhr mit dem Thema beschäftigen.

Das sagt der Ortsvorsteher

Die massive Ausweitung der Betriebszeiten und die damit verbundene Mengenerhöhung durch die Firma TSR seien nicht akzeptabel, sagt Harry Völler, Ortsvorsteher Bettenhausen. Hinzu komme eine erhebliche Menge an Staub und Rost, die durch die Luft gewirbelt und über Bettenhausen verteilt werde. Zwar scheine es so, dass die vorgegebenen Lärmimmissionsrichtwerte eingehalten würden, aber die wiederkehrenden Einzelschläge durch das Fallenlassen der schweren Schrottteile aus großer Höhe seien für die Bewohner des Stadtteils unerträglich. 

Die Spitzenpegel, teilweise bis zu 20 Schläge in der Stunde, würden durch die gesetzlichen Bestimmungen nicht abgebildet, weil sie als untypisch gelten und von den durchschnittlichen Emissionswerten ausgegangen würde. Der Ortsbeirat fordere schon seit Langem, dass die vorgeschriebenen Betriebsabläufe kontrolliert und die Firma das Personal immer wieder daraufhinweise, dass der Schrott nicht über die vorgeschriebene Fallhöhe von einem Meter verarbeitet werde. Die vorgesehene Errichtung einer 80 Meter langen Schallschutzwand sei zwar positiv zu bewerten, so Völler. 

Andererseits schütze diese nicht vor der zusätzlichen Staubentwicklung durch den Betrieb. Ungeachtet dieser beschriebenen Problematik halte er den Schrottplatz und die Recyclinganlage an dieser Stelle aus städtebaulicher Sicht für suboptimal. Hier sollte die Stadt alternative Standorte anbieten. Dies gelte auch für den Schrottplatz in der Yorkstraße.

Ein Rätsel des Alltags zum Thema Recycling ist: Dürfen Deckel in den Altglascontainer?

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