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Ärger auf Dorfplatz: Viele Familien halten Lärm und Müll nicht mehr aus

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Von: Matthias Lohr

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Ortsvorsteher Volker Zeidler (Vierter von links) mit Ortsbeiratsmitgliedern und Anwohnern wie Verena Bandulewitz (ganz rechts) bei einem Ortstermin auf dem Dorfplatz in Kassel Bettenhausen.
Ortstermin auf dem Dorfplatz: Ortsvorsteher Volker Zeidler (Vierter von links) mit Ortsbeiratsmitgliedern und Anwohnern wie Verena Bandulewitz (ganz rechts). © Matthias Lohr

Seit Jahren klagen Anwohner über Lärm und Müll auf dem Bettenhäuser Dorfplatz. Vor allem bulgarische Familien treffen sich dort. Lösungen sind schwierig umzusetzen. Nun soll es einen Runden Tisch geben.

Kassel – Verena Bandulewitz hält es nicht mehr aus im idyllischsten Teil von Bettenhausen. Das parteilose Ortsbeiratsmitglied lebt direkt am Dorfplatz, der vor einigen Jahren liebevoll saniert wurde und längst zum Problemfall im Stadtteil geworden ist. Vor allem Bulgaren aus unweit gelegenen Mehrfamilienhäusern treffen sich an Sommerabenden an der Losse, trinken Alkohol, spielen Fußball und hinterlassen Müll, wie Anwohner klagen.

Als Bandulewitz voriges Jahr hochschwanger war, wurde sie von einem Fußball getroffen. Sie fragte die Kinder, ob sie nicht woanders spielen könnten. Ein Junge antwortete: „Gib Ball, du Hure.“ In ihrem Garten kann Bandulewitz nicht mehr sitzen, weil es überall nach Urin stinkt. „Ich möchte nicht in einer Toilette leben. Ich suche eine neue Wohnung“, sagte die junge Mutter am Donnerstag in der Sitzung des Ortsbeirats.

Auch andere Familien überlegten wegzuziehen, klagt das Grünen-Ortsbeiratsmitglied Alfons Fleer und fleht: „Lauft nicht weg. Wir müssen uns des Problems annehmen.“ Das Thema hatte das Gremium bereits im November besprochen. Sieben Monate später trafen sich die Mitglieder am Donnerstag zu einem Ortstermin mit Anwohnern auf dem Dorfplatz. An einem lauen Sommerabend zuvor hatte Fleer 46 Erwachsene dort gezählt und viele Kinder, die sich wie üblich dort trafen. Donnerstag war der Platz leer. Fleer konnte sich das nicht erklären. Womöglich seien die Anwohner, um die es geht, gewarnt worden.

Lösungen gab es bei dem Ortstermin nicht, aber immerhin eine Perspektive: Es soll ein Runder Tisch mit Anwohnern, Polizei, Stadtplanungs- und Ordnungsamt sowie Ortsbeirat gebildet werden. Außerdem wird ein Projekt mit der Uni angeregt. Beides soll dem Magistrat vorgeschlagen werden. Alle waren dafür, nur Fleer enthielt sich: „Das ist mir zu wenig.“

Ortsvorsteher Volker Zeidler (SPD) mahnte, dass es einfache Lösungen nicht gibt. Die Stadt hatte schon voriges Jahr mitgeteilt, dass ein Alkoholverbot rechtlich nicht umzusetzen sei. Man könne auch nicht einfach Fußballspielen verbieten.

Angelegt worden sei der Platz einst, um allen Altersgruppen einen Raum zu bieten, sagte Annette Spielmeyer vom Stadtplanungsamt. Nun würden einige am liebsten die Bänke abbauen, damit das Idyll unattraktiver wird. Zeidler warnt zudem: „Es geht hier nicht um Ausländerfeindlichkeit.“

Falk Janßen wohnt seit 30 Jahren am Dorfplatz und klagt: „Seit drei Jahren ist das kein Zustand mehr hier. Der Dorfplatz ist doch keine Trinkhalle.“ Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es besser wird. (Matthias Lohr)

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