„Nicht irgendein Denkmal“

Salzmann-Fabrik: Denkmalschützer fordern Erhalt der Oberlichtsäle

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Blick in einen der historischen Oberlichtsäle im Dachgeschoss der Salzmann-Fabrik: Diese Hallen sollten erhalten werden, fordern Denkmalschützer. Die BHB Bauwert Holding will den größten Teil der Dachgeschosse in Wohnungen umbauen, ein 300 Quadratmeter großer Oberlichtsaal soll aber im Originalzustand erhalten bleiben. 

Kassel. Die Pläne, auf dem Salzmann-Gelände in Bettenhausen 450 Wohnungen zu errichten, sorgen bei Denkmalschützern für Alarmstimmung.

49 Unterzeichner eines Aufrufs des Salzmann-Forums appellieren an die Stadt, die BHB Bauwert Holding und die hessische Denkmalpflege, das Industriedenkmal in seinem umfassenden Denkmalwert zu erhalten.

Die mehr als 100 Jahre alte Fabrik sei ein bedeutendes Zeugnis deutscher Architekturgeschichte und verdiene erhöhte Aufmerksamkeit bei der künftigen Nutzung, sind die 49 renommierten Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur- und Kunstgeschichte überzeugt.

Insbesondere für die Oberlichtsäle sollten intelligente Nutzungen gefunden werden, um deren charakteristische Konstruktionen und Raumwirkungen zu bewahren, wird in dem Appell gefordert: „Das wäre durch die derzeitig vorgesehene nahezu vollständige Wohnnutzung des Gebäudes nicht mehr möglich.“

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Das Schicksal der Kasseler Salzmann-Fabrik finde in der internationalen Fachwelt große Aufmerksamkeit, erklären Dr. Folckert Lüken-Isberner und Prof. Ingrid Lübke im Namen des Forums. Die großen, stützenlosenHallen in den Dachgeschossen der denkmalgeschützten Ziegelbauten seien „ausgesprochen hochwertige Zeugnisse der baukonstruktiven Entwicklung“ im Industriebau. Die Abfolge der in der Salzmann-Fabrik in kurzem Zeitraum von 1905 bis 1914 errichteten Dachhallen, in die durch Glaseinsätze im Dach Tageslicht gelangt, zeige beispielhaft den Entwicklungsschritt von Eisen- und Holzkonstruktionen zu reinen Eisenbetonkonstruktionen. „Das sucht - in einer Anlage vereint - seinesgleichen“, heißt es in dem Aufruf. Mit der Salzmann-Fabrik in Kassel sei „ein noch unverfälschter Meilenstein der Ingenieurbau- und Architekturgeschichte“ erhalten. Diesen für die Zukunft zu bewahren, würde der Weltkulturerbe-Stadt Kassel die Anerkennung durch die europäische Industrie- und Architekturgeschichtsschreibung sichern.

Mehr zum Salzmann-Gelände finden Sie im Regiowiki.

Die Salzmann-Fabrik sei weitaus mehr als nur irgendein Industriedenkmal, erklärt Lüken-Isberner. Die Ziegelbauten seien eine „Ikone der für Kassel so prägenden Epoche der Industrialisierung“. Der Denkmalschutz für die Fabrik leite sich aus geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen und technischen Gründen her. „Mehr Punkte kann die Denkmalpflege nicht vergeben“, sagt Lüken-Isberner. „Die Fabrik ist somit als ein ausgesprochen hochkarätiges Kulturdenkmal einzuordnen.“

Von Jörg Steinbach

Archiv-Video: Seltener Blick in die alte Salzmann-Fabrik

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