Stadt soll mehr Druck machen

Salzmann-Forum: Wohnungsbaupläne lassen zu wenig Raum für Kultur

Kassel. Die Pläne zum Umbau der denkmalgeschützten Salzmann-Fabrik als Wohnquartier gehen auf die Zielgerade. Einige offene Wünsche und Kritik gibt es dabei noch.

Doch bisher sei die Kultur in den Verhandlungen zwischen dem Investor Uwe Birk und der Stadt Kassel zu kurz gekommen und erhalte zu wenig Raum. Das war jedenfalls der Tenor bei einer öffentlichen Diskussionsrunde des Salzmann-Forums, das seit Langem für den Erhalt des Industriedenkmals mit viel Platz für Kreative kämpft. Rund 80 Zuhörer kamen zur Diskussion in den Kulturbahnhof. Die Stadt müsse mehr Druck ausüben, hieß es.

„Die Stadt hat sich nicht als selbstbewusster Partner gezeigt“, sagte Dr. Folckert Lüken-Isberner vom Salzmann-Forum unter dem Beifall vieler Besucher. Die Verhandlungen mit dem Investor müsse man aus Sicht des Denkmalschutzes und der Kultur bisher als Misserfolg ansehen. „Der Investor macht was er will, andere Städte machen Vorgaben“, meinte Lüken-Isberner weiter. Die geplante hohe Zahl von bis zu 500 relativ hochpreisigen Wohnungen berge die Gefahr, dass in einigen Jahren dort Leerstand drohe. „Für Grimm sind sie alle, aber mit Industriedenkmälern tun sie sich schwer“, erklärte Prof. Dr. Ernst-Dieter Lantermann von der Universität Kassel.

Auch Oliver Leuer vom Forum klagte, die Stadt habe bisher zu wenig für die Sicherung des Industriedenkmals und für die Reservierung von Räumen für Kulturschaffende erreicht. Es bleibe wohl nur ein Spinnereisaal im Dachgeschoss erhalten, auch die Zukunft einer hölzernen Empore aus dem dritten Stock sei ungewiss. Neben Salzmann müsse sich die Stadt auch bei der alten Raiffeisen-Fabrik und dem Henschelgelände mit den Privateigentümern intensiver auseinandersetzen und vor allem Freiräume schaffen.

„Kulturtreibende brauchen Orte, wo Lärm nicht stört“, sagte er. Zuhörerin Marit Schummer forderte einen „multifunktionellen Ansatz“ für die Nutzung der Salzmann-Fabrik. Die viele Kreativen, die sich 30 Jahre für den Erhalt des Denkmals eingesetzt hätten, dürfe die Stadt jetzt nicht enttäuschen.

Prof. Dr. Heinz Bude warnte davor, Industriegeschichte um jeden Preis zu konservieren. Es müsse immer ein breiter Konsens geschaffen und die Kommunalpolitik in die Projekte einbezogen werden.

Da werde auch zu wenig über Stadtentwicklung geredet, meinte Kassels früherer OB Wolfram Bremeier. Das liege unter anderem an einer personellen Ausdünnung im Rathaus.

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