Vierter Anlauf für neue Nutzung des Industriedenkmals in Bettenhausen

Salzmann-Gelände: Stadt steht vor Trümmerhaufen

Zukunft wieder offen: Die historische Salzmann-Fabrik in Bettenhausen. Archivfoto: Malmus

Kassel. Bei Salzmann steht die Stadt erneut vor einem Trümmerhaufen. Mit dem Rückzug der BHB Bauwert Holding ist das nunmehr vierte Projekt gescheitert, um für das hochrangige Industriedenkmal eine neue Nutzung zu finden.

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Dabei hatten die Stadtplaner im Rathaus noch am Montag dieser Woche gemeinsam mit der Firma Hübner ein Problem aus dem Weg geräumt. Das Unternehmen, das an der Agathofstraße in direkter Nachbarschaft zum Salzmann-Areal einen Produktionsstandort betreibt, hatte im Bebauungsplan-Verfahren für die künftige Wohnbebauung Bedenken geäußert. Es ging um die Einfahrt zum geplanten Parkhaus für das neue Wohnquartier, die um 60 Meter verlegt werden sollte. „Wir haben mit der Firma Hübner eine einvernehmliche Lösung gefunden“, sagt Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD). Das wäre wohl auch mit den Unternehmen Riede und Walter gelungen, die ebenfalls Einwendungen zum Bebauungsplan hatten, ist Hilgen überzeugt.

Von Metalldieben verwüstet: Der historische Salzmann-Sitzungssaal im Haus Sandershäuser Straße 34.

BHB-Chef Uwe Birk sieht freilich in den Einwendungen eine Gefahr für sein Bauvorhaben. Die Firma Riede betreibt in der Nachbarschaft eine Asphalt-Mischanlage. Der Konflikt zwischen Wohnen und Gewerbe könnte die Verwaltungsgerichte beschäftigen und zu erheblichen Verzögerungen bei der Bebauung des Salzmann-Areals führen. Die Hübner GmbH & Co. KG, die Firma Hermann Riede Straßen & Tiefbau sowie der Baustoffmarkt Walter hätten als gewerbliche Nachbarn zuletzt Einwendungen gegen das Bauvorhaben geäußert „und damit die endgültige Erlangung des Baurechts für das historische Projekt zusätzlich verzögert“, erklärt Birk.

Außerdem habe Dennis Rossing als Verkäufer die historische Bausubstanz im vergangenen Winter nicht ausreichend gesichert und damit die weitere Verschlechterung ihres Zustands billigend in Kauf genommen.

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Auch einbruch- und vandalismussicher wurde das Objekt nicht gemacht, sagt Birk. So sei der historische Sitzungssaal in den jüngsten Tagen quasi vollständig verwüstet worden. Weiterhin erschwerten 20 000 Tonnen Bauschutt, die inmitten des Areals lagern und vom Verkäufer nicht abtransportiert wurden, Besichtigungen und Arbeiten vor Ort unnötig. Birk: „Wir hätten sehr gern in Kassel investiert, leider ist das für uns aufgrund der zu großen Risiken nun nicht mehr möglich. Dies ist sehr schade um die verlorenen Mühen, Kosten und Ressourcen aller Beteiligten.“

2003 wollte der Bad Hersfelder Projektentwickler Dennis Rossing (Rosco Unternehmensgruppe) Salzmann zu einem Kultur- und Handelszentrum umbauen. 2006 erteilte die Stadt den Plänen für ein großes Einkaufszentrum endgültig eine Absage. 2007 kaufte Rossing das Gelände der Salzmann-Fabrik und wollte dort eine Veranstaltungsarena für 9000 Zuschauer bauen. Dieser Plan scheiterte ebenso wie die 2011 entstandene Idee für ein Behördenzentrum. Nach dem Auszug der letzten Mieter 2012 und 2013 wurden die Ziegelbauten durch Vandalismus stark beschädigt. Im Mai 2014 verkaufte Rossing die Immobilie an die Wiesbadener BHB Bauwert Holding, die sich aber ein Rücktrittsrecht vertraglich zusichern ließ.

Das sagt Dennis Rossing

Auf den Rückzug der BHB Bauwert Holding könne er sich keinen Reim machen, sagt Salzmann-Eigentümer Dennis Rossing. Die Vorwürfe von BHB-Chef Uwe Birk träfen nicht zu, man habe sich in Verhandlungen über die Neugestaltung der Verträge geeinigt. Dabei sei er seinem Vertragspartner weit entgegengekommen und habe dessen Forderungen erfüllt, betont Rossing. So habe er das Rücktrittsrecht für die BHB Holding bis Mitte Dezember 2015 verlängert und die Beseitigung des Bauschutts bis Mitte Dezember 2015 zugesichert. Zudem dürfe die BHB Holding auch vom Vertrag zurücktreten, wenn die Löschungsunterlagen für Grundpfandrechte nicht bis Ende Oktober 2015 vorgelegt werden. Die entsprechenden notariellen Urkunden hat Rossing der HNA vorgelegt.

Das sagt OB Bertram Hilgen

„Wir bedauern das sehr“, sagt Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) nach dem Rückzug der BHB Holding vom Salzmann-Projekt. Der Bau von 450 Wohnungen auf dem Gelände hätte „eine ausgezeichnete Entwicklungschance für Kassel und den Stadtteil Bettenhausen“ bedeutet. Die Stadtverwaltung habe mit aller Kraft das Bebauungsplan-Verfahren für das Salzmann-Areal nach vorn gebracht, im November dieses Jahres wäre ein entsprechender Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung möglich gewesen. Auch die Einwendungen der drei gewerblichen Nachbarn seien kein gravierendes Problem, ist Hilgen überzeugt. Man sei auf dem besten Weg gewesen, Lösungen für alle drei Firmen zu finden. „Wir haben alles getan, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen“.

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