Polizei-Schild fehlt - stattdessen Reklame mit barbusigen Damen

Schild am Revier Ost: FKK-Club wirbt vor Polizei

Nackte Frauen werben vor dem Revier Ost: Ein Polizeischild an der Seitenfassade des Gebäudes fehlt nach wie vor. Dafür wird Reklame für einen FKK-Club gemacht, in dem der Prostitution nachgegangen wird. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Seit Sommer 2013 warten die Polizeibeamten, die im Revier Ost an der Leipziger Straße arbeiten, darauf, dass an die Seitenfassade des Gebäudes ein Schild mit der Aufschrift „Polizei“ angebracht wird. Grund: Für Menschen, die auf der Leipziger Straße stadtauswärts unterwegs sind, soll sofort sichtbar werden, wo sich die Polizei in Bettenhausen befindet.

Das Schild hängt immer noch nicht, weil sich das Hessische Immobilienmanagement (HI), das die Immobilie für das Land angemietet hat, und der Vermieter lange nicht darüber einig geworden sind. Dafür wird bei Ortsfremden derzeit der Anschein erweckt, in dem Gebäude könnte ein Etablissement untergebracht sein, in dem Sexarbeiterinnen ihre Dienste anbieten.

Auf einer großen Reklametafel auf dem Grundstück des Reviers sind vier barbusige Frauen zu sehen, die sich lasziv räkeln. Das Plakat wirbt für einen FKK-Club in der Nähe von Gießen. Auf der Internetseite diese Clubs wird deutlich, dass dort auch Prostitution betrieben wird.

Der Vermieter der Plakatfläche und der Vermieter des Reviers Ost sind ein und dieselbe Person: Der Geschäftsführer des Kasseler Unternehmens Pako System, das bundesweit bewegliche Außenwerbeanlagen anbietet. Der Geschäftsführer wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er das HI über Monate daran gehindert habe, ein Schild an die Fassade seines Hauses anzubringen. Er habe nur auf eine maßstabsgerechte Skizze des Polizeischilds gewartet. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Als das HI ihm den Entwurf Mitte November zugeschickt habe, habe er das Schild umgehend genehmigt.

Das ist mittlerweile zwei Monate her. Nach Angaben von Renate Gunzenhauser, Sprecherin des HI, werde das Polizeischild derzeit angefertigt und „voraussichtlich in den nächsten Woche angebracht“. Das Reklameschild mit den nackten Frauen will man beim HI nicht kommentieren. Zwar sei dies direkt vor dem Gebäude und auf dem selben Grundstück, die Fläche sei aber nicht vom Land angemietet worden.

Der Vermieter des Reviers und der Fläche für die Sexclub-Werbung spricht von „ganz normalen Geschäften“. „Ich verdiene mein Geld mit der Werbung.“ Der Polizei stehe es frei, sich auch eine Werbetafel bei ihm anzumieten.

„Sind nicht glücklich“

„Wir sind mit dieser Werbung nicht glücklich, haben aber bedauerlicherweise keinen Einfluss darauf, mit was für Inhalten der Vermieter wirbt“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch.

Das Verhältnis zwischen Vermieter und HI war in den vergangenen Jahren nicht immer das Beste. Einige Streitfragen (Garagen) wurden bereits vor Gericht ausgetragen, derzeit geht es noch um einen Zaun. Das Land verlangt, dass das Revier aus Sicherheitsgründen umzäunt wird, der Vermieter ist der Auffassung, dass er laut Vertrag eine Umzäunung nicht dulden muss.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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