Wegen Hehlerei, Bandendiebstahls und Drogenhandels

Nach Schuss auf Juwelier in Kassel: Opfer steht jetzt selbst vor Gericht

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197 Trauringe: Der Juwelier hat im ersten Verfahren gestanden, diese Anzahl von Ringen gekauft zu haben. Der Schmuck war vorher aus einem Juweliergeschäft in Bad Wildungen gestohlen worden. 

Nach dem Schuss auf einen Juwelier an der Leipziger Straße in Kassel im Februar 2018 ist jetzt auch das Opfer angeklagt. Ihm werden gewerbsmäßige Hehlerei und Drogenhandel vorgeworfen.

Im Nachbarsaal des Landgerichts wird gegen den 28-Jährigen verhandelt, der einen 53-jährigen Kasseler bei einem Überfall im Februar 2018 in den Kopf geschossen haben soll. Doch vor der 11. Strafkammer des Landgerichts steht das damalige Opfer ab dem 15. Januar selbst als Angeklagter vor Gericht. Der Vorwurf: gewerbsmäßige Hehlerei, schwerer Bandendiebstahl und Drogenhandel.

Ein Krimiautor müsste schon alle Register ziehen, um sich so eine Geschichte auszudenken: Der 53-jährige Schmuckhändler soll von August bis November 2011 in Kassel Schmuckstücke und Wertsachen aus Wohnungseinbrüchen angekauft haben, wobei er die Diebe aus Rumänien zum Teil selbst gezielt auf Einbruchstour in die Häuser seiner Kunden geschickt haben soll. Einmal soll er selbst beim Einbruch dabei gewesen sein.

Zwischen 2014 und 2016 soll er in seinem Kasseler Geschäft in 18 Fällen Hehlerware angekauft und teilweise weiter veräußert haben. Darunter auch 22 Stihl-Kettensägen und Heckenscheren im Wert von 13.500 Euro, die aus einem Fachgeschäft in Hofgeismar gestohlen worden waren. Als die Diebe die Sägen im Kasseler Geschäft an den Angeklagten übergaben, geschah das schon unter den Augen der Polizei. Die hatte die Diebe observiert und war so auch auf den Schmuckhändler gestoßen.

Gestanden hat der Juwelier im ersten Verfahren den Ankauf von 197 Trauringen im Wert von knapp 70.000 Euro, die im Dezember 2014 von einem türkischen Trickdieb aus einem Juweliergeschäft in Bad Wildungen gestohlen worden waren. Die Ringe hatte der Kasseler Juwelier laut Anklage für 4500 Euro angekauft.

Die Mitglieder der rumänischen Einbrecherbande wiederum wussten, dass der Juwelier Schmuck und Geld in seinem Auto aufzubewahren pflegt. Also brachen sie den Wagen auf und stahlen den Schmuck. Die vier jungen Männer wurden wenig später in Rumänien festgenommen und inzwischen wegen zahlreicher Hauseinbrüche und Zigarettendiebstähle in ganz Nordhessen und Südniedersachsen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Tatort an der Leipziger Straße im Februar 2018: Ein 52-jähriger Schmuckhändler wurde in Kassel durch einen Schuss in den Kopf verletzt. Der 28-jährige Täter steht vor Gericht, das Opfer ist nun ebenfalls angeklagt. 

Der Schmuck kam zurück zum Angeklagten, der ihn erneut in seinem Auto deponierte. Am 9. Februar 2018 wurde er laut Anklage vor seiner Wohnung an der Leipziger Straße in Bettenhausen von einem 28-Jährigen überfallen. Der soll den Juwelier in den Kopf geschossen und mit 45 000 Euro Bargeld und dem Schmuck geflohen sein. Ihm wird derzeit vor der 6. Strafkammer der Prozess wegen versuchten Mordes aus Habgier gemacht.

Der damals laufende Hehlerei-Prozess gegen den 53-Jährigen war wegen der schweren Kopfverletzung des Angeklagten geplatzt und wird nun neu aufgerollt.

Mit angeklagt sind diesmal auch zwölf Fälle von Drogenhandel. Der Türke soll von Februar 2016 bis Frühjahr 2017 an verschiedenen Kokaingeschäften beteiligt gewesen sein.

Die Verhandlung beginnt am Dienstag, 15. Januar, um 10 Uhr in Saal E 119 vor der 11. Strafkammer des Landgerichts, die von Richter Gerd Rinninsland geführt wird. Bis zum 21. März sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. 31 Zeugen sollen gehört werden.

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