Geplanter Anbau wird vorerst nicht verwirklicht

Sorge um Jobs bei Mercedes-Benz - Daimler will Niederlassung verkaufen

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Die Braut wird schick gemacht: Die Mercedes-Benz-Niederlassung in der Sandershäuser Straße bekommt einen neuen Anstrich und teilweise neue Fenster. Sie soll verkauft werden.

Kassel/Göttingen. In der Mercedes-Benz-Niederlassung Kassel-Göttingen macht sich Unsicherheit breit.

Denn der Stuttgarter Autobauer will den Doppelstandort verkaufen, und die Beschäftigten fürchten um Jobs und Besitzstände. Betroffen sind 380 der insgesamt 480 Mitarbeiter, denn das neue Nutzfahrzeugzentrum in Lohfelden mit seinen 100 Beschäftigten soll nicht veräußert werden.

Wie berichtet, plant Daimler den Verkauf von 63 seiner 158 Niederlassungen. Ein Teil hat bereits den Eigentümer gewechselt, unter anderem Freiburg, Bremen, Gütersloh, Bielefeld und Detmold, Erfurt, Baden-Baden und Ravensburg.

Betriebsratsvorsitzender Frank Trampedach erklärte im Gespräch mit der HNA, dass ein Verkauf nicht zu verhindern sei. Es sei aber ein „Nachteilsausgleich“ ausgehandelt worden, um vor allem die Beschäftigten ab Mitte 40 langfristig abzusichern. Dazu zählt unter anderem ein Rückkehrrecht zu Daimler für den Fall, dass der neue Eigentümer innerhalb der ersten drei Jahre betriebsbedingt kündigt oder innerhalb von fünf Jahren insolvent wird. Trampedach rechnet mit einer Veräußerung im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres.

„Wir erwarten, dass der Erwerber mindestens den Kfz-Handwerkstarif zahlt“, sagt er. Derzeit liegen die Löhne der Jüngeren leicht und die der Älteren spürbar darüber. Konzernsprecherin Konstanze Fiola erklärte auf Anfrage, dass es Interessenten für den Standort gebe. Details verriet sie nicht. Nach HNA-Informationen sind es drei oder vier. In zwei Wochen werden sie zu einer Besichtigung erwartet. Die bereits veräußerten Niederlassungen wurden zumeist von langjährigen Mercedes-Händlern übernommen.

Mit der Entscheidung zum Verkauf des Doppelstandorts hat die Konzernzentrale auch Pläne für einen Anbau an das Verwaltungsgebäude an der Sandershäuser Straße gestoppt. Noch im Dezember waren dies und eine Neuordnung des gesamten Standorts angekündigt worden. Der Anbau wird laut Fiola „vorerst nicht realisiert“. Standortleiter Marko Duchow erklärte, man habe diesen Punkt zurückgestellt, weil „wir nicht wissen, was der Investor vorhat“.

Stattdessen werden derzeit lediglich die Fenster des Verwaltungsgebäudes saniert, die Fassade wird gestrichen. Außerdem soll ein neuer Ausstellungsraum für die Daimler-Edelmarke AMG entstehen. Unterdessen hoffen die Beschäftigten darauf, dass ein Verkauf am Zustand des stark sanierungsbedürftigen Standorts scheitert. Denn in den vergangenen Jahren wurde kaum investiert. Wer ihn übernimmt, muss zunächst ordentlich Geld in die Hand nehmen. Vielleicht entsteht der gestoppte Anbau dann doch noch. Die letzten zwölf Monate gleichen für die Beschäftigten einem Wechselbad der Gefühle. Zunächst sollte Kassel-Göttingen mit Fulda fusionieren. Dann aber wurde die Niederlassung mit Hannover und Braunschweig zur Vertriebsdirektion Mitte vereinigt. Nun steht der Verkauf an.

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