Anklage: 23-Jähriger stach mit Messer zweimal zu

Streit auf Platz der Deutschen Einheit: „Sehe ich aus wie ein Kanake?“

Kassel. Ein Jahr nach seiner Messerattacke am Platz der Deutschen Einheit auf einen 20-Jährigen hat sich seit Montag ein 23-jähriger Kasseler vor dem Landgericht zu verantworten.

Die Tat geschah, weil er, wie der Angeklagte einräumte, „die Situation falsch einschätzte“. Zweimal stach er laut Anklageschrift auf den 20-Jährigen ein, der schwerste Verletzungen im Bereich des Rückenmarks erlitt.

Nach einer durchzechten Nacht, in deren Verlauf sie in der Tram nach Kaufungen fuhren, mit Wodka ausgerüstet eine Party besuchten und in einer Kneipe in Kaufungen landeten, waren der Angeklagte und sein damals 18-jähriger Freund mit der Straßenbahn wieder Richtung Kassel gefahren. Wo genau sie in den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2014 aus der Straßenbahn ausstiegen, vermochten weder der Angeklagte noch sein Freund zu sagen. Zu Fuß machten sie sich auf den Weg nach Hause in die Holländische Straße. Sie hätten sich verlaufen und seien an der Bushaltestelle auf dem Platz der Deutschen Einheit gelandet, berichtete der Angeklagte, dem versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird.

Drei junge Männer seien an der gegenüber liegenden Bushaltestelle für stadtauswärts fahrende Busse gewesen, erinnerte sich der 23-Jährige. Einer von ihnen hätte seinen Freund aggressiv angeschrien und ihn „Kanake“ genannt. „Sehe ich aus wie ein Kanake?“, habe sein Freund gefragt. Da sei plötzlich einer von den dreien zu ihnen herübergelaufen und habe seinem Kumpel, der neben ihm auf der Bank saß, einen Schlag verpassen wollen. Schon vorher habe er mit seinem Klappmesser herumgespielt, räumte der Angeklagte ein. Er könne sich nur an einen Messerstich erinnern. Erst bei der Vernehmung sei ihm klar geworden, dass er zweimal auf den Fremden eingestochen habe. Ein Freund des Opfers habe ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst, „dann bin ich weggelaufen“, sagte er.

Auf dem Weg nach Hause versteckte er das Messer, vor der Haustür nahm ihn die Polizei fest. Sein Freund, ein Soldat, trug nicht zur Klärung des Geschehens bei. Unzählige Male beteuerte er, „das weiß ich nicht mehr“. - Die Tat liege schließlich schon so lange zurück. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (zal)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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