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Streit in Bettenhausen um Ehrung für SPD-Kommunalpolitikerin

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Von: Matthias Lohr

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Setzte sich immer für Bettenhausen ein: Kommunalpolitikerin Ellen Lappöhn (1947 bis 2013) im Jahr 2006 mit dem mittlerweile ebenfalls gestorbenen Ortsvorsteher Harry Völler am Leipziger Platz.
Setzte sich immer für Bettenhausen ein: Kommunalpolitikerin Ellen Lappöhn (1947 bis 2013) im Jahr 2006 mit dem mittlerweile ebenfalls gestorbenen Ortsvorsteher Harry Völler am Leipziger Platz. © Heiko Meyer

Eine neue Straße in Bettenhausen soll nach einer verdienten SPD-Kommunalpolitikerin benannt werden. Doch die Grünen sind dagegen. Sie finden solche Ehrungen nicht mehr zeitgemäß.

Kassel – Salzmann war die Herzensangelegenheit der Bettenhäuser Kommunalpolitikerin Ellen Lappöhn. Ortsvorsteher Volker Zeidler (SPD) kann sich gut daran erinnern, wie seine Parteikollegin schimpfte, wenn mal wieder jemand von der FDP den Abriss des Industriedenkmals gefordert hatte. „Sie war die Stadtteilmanagerin von Bettenhausen. Wenn Ellen ihre Stimme erhob, konnte man schlecht etwas dagegen machen“, sagt Zeidler.

Nun wird die ehemalige Stadtverordnete, die 2013 mit 66 Jahren starb, posthum geehrt. Eine noch entstehende Erschließungsstraße auf dem Salzmann-Gelände wird Ellen-Lappöhn-Straße heißen. Auf der dazugehörigen Erklärtafel soll stehen: „1947 bis 2013, engagierte Stadtteilpolitikerin.“

Das beschloss der Ortsbeirat Bettenhausen am Donnerstag – allerdings nur mit einer knappen Mehrheit von 4:3-Stimmen und nach einer hitzigen Debatte. Vor allem die beiden Ortsbeiratsmitglieder der Grünen argumentierten dagegen. Die stellvertretende Ortsvorsteherin Julia Rudolph sagte, dass Lappöhn, die sie gar nicht gekannt habe, sicher viel geleistet habe. Sie findet es aber grundsätzlich „falsch, dass wir Straßen nach Politikern benennen. Wir müssen Straßen so benennen, dass sich alle wohlfühlen.“ Ellen-Lappöhn-Straße sei kein Name, der „mich anspricht und in der ich wohnen will“. Rudolphs Parteikollege Alfons Fleer, der früher manchen politischen Streit mit Lappöhn hatte, kritisierte, dass sich die Sozialdemokratin „nicht nur mir gegenüber als Parteipolitikerin dargestellt hat“.

Birgit Matzel (SPD) kann die Argumente der Grünen nicht nachvollziehen. Sie lobte Lappöhn, weil sie sich immer für Bettenhausen eingesetzt habe: „Das war wirklich ihr Leben.“ Und Ortsvorsteher Zeidler fand, dass die Kritik der Grünen „ein Stück weit eine Herabwürdigung einer Lebensleistung“ sei.

Ellen Lappöhns Tochter Silke hörte sich die Debatte an. Den Streit wollte sie später nicht kommentieren. Sie sagte aber: „Ich freue mich sehr über die Ehrung. Es ist schön, dass der Einsatz meiner Mutter für Bettenhausen auf diese Weise gewürdigt wird.“

Ihre Mutter war nicht nur SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament. Die gelernte Industriekauffrau engagierte sich etwa auch als Mitglied in städtischen Aufsichtsräten, dem Ortsbeirat sowie im Ortsgericht. Wann es die Ellen-Lappöhn-Straße geben wird, ist allerdings offen. Seit Jahren wird über die Pläne von Investor Dennis Rossing auf dem Salzmann-Areal geredet. Ortsvorsteher Zeidler sagte: Die Straße werde in der Hoffnung erschlossen, „dass irgendwann einmal gebaut wird“. (Matthias Lohr)

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