Salzmann, Haferkakaofabrik und neues Industriegebiet

Stadtteil mit Potenzial: Stadtbaurat über die Entwicklungschancen von Bettenhausen

Bettenhausen aus der Luft: Die Aufnahme zeigt unter anderem die Salzmannfabrik und die beiden Grundstücke der Firma Hübner an der Agathofstraße und an der Königinhofstraße.
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Bettenhausen aus der Luft: Die Aufnahme zeigt unter anderem die Salzmannfabrik und die beiden Grundstücke der Firma Hübner an der Agathofstraße und an der Königinhofstraße.

Das Gelände der ehemaligen Kulturfabrik Salzmann liegt noch immer brach, auch die Flächen und die noch bestehenden Gebäude der Haferkakaofabrik sind seit Jahren größtenteils ungenutzt. Über den Stadtteil Bettenhausen und sein Potenzial haben wir mit dem grünen Dezernenten für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, Christof Nolda, gesprochen.

Herr Nolda, ist Bettenhausen Ihr Sorgenkind?
Nein, auf keinen Fall. Bettenhausen ist ein sehr vielseitiger und besonderer Stadtteil. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Wir haben zum einen den historischen Ortskern, auf der anderen Seite gibt es ein Gewerbegebiet, das 30 Prozent zur Kasseler Gewerbesteuer beiträgt. Gerade im Bereich der Flutmulde am Ölmühlenweg gibt es viele Grundstücke, die für eine Entwicklung interessant sind. Dieses Potenzial sehe ich positiv.
An manchen Orten ist aber schon seit Jahren Stillstand. Wie geht es mit der Salzmannfabrik weiter?
Ich bin optimistisch, aber Entwicklungen haben meist mehrere Mitspieler. Bei Salzmann gibt es für uns zwei Ziele: Zum einen soll das brachliegende Grundstück städtebaulich entwickelt werden. Das zweite Ziel ist es, das Kulturdenkmal zu erhalten und zu nutzen. Das ist eine Aufgabenstellung, die nicht einfach ist. Dass es so lange dauert, liegt an unterschiedlichen Dingen.
An welchen denn?
Die Stadt hat sich an der Stelle deutlich dafür positioniert, keinen großflächigen Einzelhandel – wie es ein Einkaufszentrum wäre – zulassen zu wollen. Sonst hätte man das Grundstück vielleicht schon längst entwickelt. Die Innenstädte haben es ohnehin schon nicht leicht. Deshalb ist das eine wichtige und richtige Entscheidung. Wir haben mittlerweile einen Bebauungsplan verabschiedet und sind in engen Diskussionen mit dem Investor über die Baugenehmigung. Ich bin guter Hoffnung, dass wir kurz vor der Umsetzung sind. Aber Risiken gibt es immer, deshalb bleibe ich vorsichtig.
Das heißt?
Investor Dennis Rossing telefoniert ab und zu mit mir. Wenn er jetzt noch Fragen hat, dann klären wir das umgehend. Was ich sehen will, sind Bagger. Ich denke, das versteht er sehr deutlich.
Blicken wir schräg über die Sandershäuser Straße zu einem weiteren Kulturdenkmal – der Haferkakaofabrik.
Hoffnung ist auch hier das erste Prinzip. Es handelt sich um ein großes Grundstück mit vielfältigem Gebäudebestand. Darunter sind das historische Fabrikgebäude, die Silos und die angrenzenden Lagerhallen. Das bietet viele Möglichkeiten. Das Problem ist, dass die Gebäude auf einem Grundstück stehen. Gescheitert ist es bislang am Zusammenfinden von Eigentümern und Entwicklern. Auch Corona hat einige Gespräche verhindert. Aber es gibt im Moment durchaus Investoren, die Interesse haben, Teilbereiche zu entwickeln. Der Eigentümer hat inzwischen verstanden, dass er sich auf solche komplizierten Zusammenhänge einlassen muss.
Können Sie etwas zu den Interessenten sagen?
Das Sandershaus würde seine Fläche gern erweitern, aber unter den Interessenten sind auch bisher noch nicht ansässige Personen oder Unternehmen.
Wäre in diesem Bereich auch Wohnbebauung denkbar?
Einmal – bei Salzmann – haben wir uns in Bettenhausen mit Absicht weichklopfen lassen. Aber Gewerbegebiete müssen genauso geschützt und entwickelt werden wie Wohn- oder Grünflächen. Bei Salzmann waren die direkte Verbindung zum alten Ortskern und die besonderen denkmalpflegerischen Anforderungen ausschlaggebend bei der Entscheidung, Wohnbebauung zuzulassen. Im Bereich der Haferkakaofabrik ist die Gesamtfläche allerdings relativ klein, sodass wir es da wohl nicht schaffen, Wohnbebauung zu ermöglichen. Ich will es aber nicht gänzlich ausschließen. Hinzu kommt, dass es dort einen angrenzenden Betrieb gibt, der im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes beurteilt wird. Das verträgt sich nicht mit Wohnnutzung.
Blicken wir weiter in Richtung Ölmühlenweg: Wie sieht die Entwicklung für den Bereich der Flutmulde aus?
Dort gibt es derzeit Nutzungen, die hier nicht unbedingt Priorität haben. Die direkte Nähe zur Innenstadt hat eine besondere Qualität. Wenn es ein zweites Fraunhofer-Institut gäbe und wir einen Standort suchen würden, würden wir es wahrscheinlich dorthin lenken.
Nach einem zweiten Fraunhofer-Institut sieht es derzeit nicht aus.
Nein, aber es gibt jetzt einen Bebauungsplan für den Bereich Ölmühlenweg und Königinhofstraße, der das Gewerbegebiet dort zukunftsträchtiger macht. Das heißt aber nicht, dass die Nutzer, die jetzt da sind, sofort verschwinden müssen. Aber wenn sich städtebauliche Veränderungen ergeben, wird sich das Bild verändern.
Wie sähe die optimale Entwicklung dieses Bereiches aus?
Innerhalb der Städtebauförderung sind Planungen erstellt worden, die die dort ansässigen Eigentümer in Gespräche einbeziehen und versuchen, Türen für weitere Entwicklungen zu öffnen. Ein wichtiger Prozess war die geplante Ansiedlung des Busbahnhofs. Das ist an dieser Stelle nicht gelungen. Es sind darüber hinaus Studien erstellt worden, die Perspektiven für Bebauungen aufzeigen. Ich bin mir sicher, den Käufern des Hallenbads Ost ist aufgrund dieser Perspektiven der Kauf leichter gefallen. Die unterschiedlichen Projekte wie Salzmann, Sandershaus, Haferkakaofabrik oder Hallenbad Ost ergeben schon jetzt ein interessantes Gesamtbild, das positiv wirkt. Auch die Flächen von Hübner in Bettenhausen sind derzeit auf dem Markt.
Derzeit wirkt dieser Teil Kassels nicht gerade einladend. Was macht ihn für Investoren reizvoll außer die innenstadtnahe Lage?
Ein wichtiger Vorteil ist, dass der Bereich bereits komplett erschlossen ist. Es gibt Anbindungen an den südlichen und den nördlichen Autobahnanschluss. Das ist optimal für eine gewerbliche Entwicklung, die hochwertiger ist als die Ansiedlung zum jetzigen Zeitpunkt. Wohnbebauung ist auch hier nicht denkbar. In der Vergangenheit gab es in diesem Bereich keinen entsprechenden Bebauungsplan – so haben sich Gewerbebetriebe entwickelt, die wir zulassen mussten. Wir haben jetzt ein Steuerungsinstrument in der Hand, mit dem wir als Kommune sagen können, was wir uns vorstellen können und was nicht.
Die documenta will einen Schwerpunkt auf den Kasseler Osten legen. Was bedeutet das?
Die documenta ist ein heimlicher Entwicklungsförderer in den Stadtteilen. Oft hat das geklappt. Wenn man die Welt einlädt, dann führt das dazu, dass der Blick von außen auch den Blick der Kasseler auf ihre Stadt verändert hat. Das ist eine große Chance und tut dem Kasseler Osten sicher gut. (Kathrin Meyer)

Zur Person

Christof Nolda (58) wurde in Karlsruhe geboren und wuchs in der Nähe von Stuttgart auf. Er studierte Architektur und Städtebau, arbeitete als Architekt, ehe er 2012 Stadtbaurat in Kassel wurde. Seit 2002 gehört der passionierte Radfahrer den Grünen an. Nolda ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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