Sie waren erstaunt, was weggeworfen wird

Wohnen im Abfall: Zwei Studenten haben eine Bleibe aus Schrott gebaut

Haben sich ihren Traum aus Müll verwirklicht: Die Studenten Hannah Hüdepohl und Tim Schaeffer vor ihrem fahrbaren Wohncontainer. Foto: Ludwig

Kassel. Beim Fahrradfahren kam Hannah Hüdepohl (24) und Tim Schaeffer (29) eine Idee, die ihr Leben verändern sollte. Auf ihrer Radtour vor einem Jahr entdeckten die Studenten auf dem Hof eines Autohändlers in Bettenhausen einen Lkw-Container mit Schrottwert.

So entstand der Plan, daraus allein mit Abfallmaterialien einen Wohnanhänger zu bauen, in dem sie anschließend leben könnten.

Gesagt, getan: Sie meldeten ihr Vorhaben als interdisziplinäres Studienprojekt an, das schließlich von der Uni gefördert wurde. Ein Jahr lang sammelten die Studentin des Umweltingenieurwesens und der angehende Produktdesigner Material und Baustoffe, die nicht mehr benötigt wurden.

Vor allem auf Baustellen wurden sie fündig: Eine alte Tür, Holzreste, Dämmstoffe und zweifach verglaste Fenster, die derzeit in vielen Häusern neueren Modellen weichen müssen. Besonders die Uni-Baustelle des Campus-Nord sei ein guter Abfall-Lieferant gewesen. „Wenn man auf Baustellen fragt, ob man sich das Material aus den Abfallcontainern nehmen kann, geht das in der Regel klar. Für die ist Müll nur ein Kostenpunkt“, sagt Hüdepohl. Um das Material in Form zu bringen, konnten die Studenten die Werkstätten der Kunsthochschule nutzen. Dabei kam Tim Schaeffer seine Lehrzeit als Tischler entgegen.

Die Küchenzeile fischten sie vom Sperrmüll des Rudervereins der Albert-Schweitzer-Schule, das Parkett war kostenlos bei E-Bay abzugeben und die Tapetenreste gab es von einer Tapetenfabrik aus Berlin. Nur für den gebrauchten Container und das alte Fahrgestell darunter mussten die Studenten Geld bezahlen. Zusammen 950 Euro. „Das ist der Schrottwert des Materials, den auch der Schrotthändler bezahlt hätte“, sagt Hüdepohl. Hinzu kommen Kosten für Arbeitsmaterial wie Schrauben. Die Uni hatte das Projekt mit 2000 Euro gefördert.

Demnächst wird der 17 Quadratmeter große Wohncontainer noch um eine Dachterrasse aufgestockt. „Ein Hauseigentümer aus Harleshausen will seine alte Veranda abgeben. Die werden wir aufarbeiten und als Dachterrasse nutzen“, sagt Tim Schaeffer. Was sie noch suchten, sei eine alte Gasheizung, eine gebrauchte Solaranlage, Batterien und alte Planen.

Noch bis Dezember wird das Studienprojekt auf dem Außengelände der Kunsthochschule zu sehen sein. Danach wollen die Studenten mit ihrem fahrbaren Heim auf einen Wagenplatz umziehen.

Wer Abfallmaterial verschenken möchte, kann sich an h.huedepohl@web.de wenden.

Von Bastian Ludwig

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