7000 Eichen: documenta-Kunst am Pferdemarkt

documenta-Kunst am Pferdemarkt: Beuys-Bäume in desolatem Zustand 

Kassel/Westertor. Wo ist der siebte Baum geblieben? Vor über 30 Jahren waren auf dem Innenhof der Wohnstadt-Siedlung am Pferdemarkt die ersten sieben Eichen der documenta-Arbeit 7000 Eichen von Joseph Beuys gepflanzt worden.

Heute stehen hier nur noch fünf Eichen, der sechste Baum entpuppt sich als Ahorn, und vom siebten Baum gibt es nicht die geringste Spur. Auch von den dazugehörigen Basaltstelen sind nur noch sechs zu sehen.

Ortsbesichtigung

„Was für ein Trauerspiel“, sagt die Beuys-Vertraute Dr. Rhea Thönges-Stringaris: „Hier fand einst der Auftakt für ein großes Kunstwerk statt, das heute Weltruhm hat.“ Sie war im Frühjahr 1982 bei der Pflanzung an der Seite des Künstlers dabei.

Heute befinde sich dieser historische Ort, das Areal an der Müllergasse, in einem desolaten Zustand: Spontanvegetation, Müll, wahllos geparkte Autos, eine buckelige, ungepflegte Oberfläche, kurz: Ein Flickerlteppich an unstrukturierter Nutzung und Nichtnutzung prägen den Innenhof. „Die Situation ist nicht zu akzeptieren, schon gar nicht an einem Ort, der unbedingt vorbildhaft sein sollte“, sagt Thönges-Stringaris.

Mehr zu Joseph Beuys lesen Sie auch im HNA-Regiowiki.

Um etwas zu ändern, hatte die Stiftung 7000 Eichen Anwohner und Interessierte zu einer Ortsbesichtigung eingeladen. Gemeinsam wolle man nach Lösungen suchen, sagte Hans-Ulrich Plaßmann vomVorstand der Stiftung. Immerhin: Zusammen mit Elke Bockhorst vom Stiftungsvorstand hatte sich Thönges-Stringaris auf die Suche nach dem vermissten Stein gemacht und ihn vergraben und überwuchert auf dem Hof wiedergefunden.

Historisch: Joseph Beuys lässt sich am 16. März 1982 auf einem Areal am Pferdemarkt mit Mitstreitern fotografieren, nachdem dort die ersten sieben Bäume seiner documenta-Plastik gepflanzt worden sind.

Ein großes Hindernis für eine Problemlösung offenbarte während des Treffens Dirk Schuhmacher von der Geschäftsführung der Wohnstadt. Der hessischen Wohnungsbaugesellschaft gehört ein Großteil der umliegenden Wohnungen ebenso wie die Hälfte der 25 Flurstücke, aus denen sich der Hof zusammensetzt. Und genau darin liegt die Problematik.

Zeitzeugen: Die Anwohnerinnen Elisa Emde (links) und Annemarie Gerke (rechts) sowie Beuys-Vertraute Rhea Thönges-Stringaris (Mitte) können sich an die Pflanzaktion vor 31 Jahren noch gut erinnern. Foto: Hein

Die Besitzverhältnisse und damit die Verantwortlichkeit für die Beuys-Bäume gestalten sich an diesem Ort chaotisch. „Auf unseren Grundstücken stehen zwei Beuys-Bäume und die werden von uns auch gepflegt“, sagt Schuhmacher. Zwei stehen auf städtischem Grund. Wer die anderenEigentümer sind, sei nicht bekannt. Wie von Plaßmann festgestellt wurde, resultieren aus einer insgesamt verwirrenden Rechtssituation zudem unterschiedliche kartografische Darstellungen.

Fotostrecke: Die Beuys-Bäume sind in schlechtem Zustand

"7000 Eichen": Beuys-Bäume in desolatem Zustand

Die Stadt Kassel äußerte sich dazu schriftlich: „Wir begrüßen die Initiative der Stiftung, die zur Veranstaltung mit den Anwohnern geführt hat und werden die Ergebnisse gern in der nächsten Beiratssitzung 7000 Eichen diskutieren.“ Der Magistrat werde jetzt mit der Stiftung und den Anwohnern nach einem geeigneten Standort für den siebten Baum und „Möglichkeiten zur besseren Pflege der Bäume auf den Privatgrundstücken“ suchen.

Von Christina Hein

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