Südstadt-Ortsbeirat ist verärgert – Umwelt- und Gartenamt will Bäume nachpflanzen

Beuys-Eichen sind gefällt: Umwelt- und Gartenamt will Bäume nachpflanzen  

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Nur noch Baumstümpfe: Die Passanten Thomas und Giesela Pflug wundern sich, wo die Beuys-Bäume geblieben sind.

Südstadt. Die Beuys-Eichen sind abgesägt. Am Schwarzen Weg, der vom Philosophenweg zur Tischbeinstraße führt, stehen nur noch die Stümpfe von vier großen Bäumen. Die fast 30 Jahre alten und 20 Meter hohen Bäume wurden jetzt gefällt, weil auf dem Grundstück Wohnhäuser gebaut werden sollen.

Ortsbeirat betrübt

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„Wie traurig und ärgerlich“, sagt Südstadt-Ortsvorsteher Harald Doenst. Der Ortsbeirat, der eine Bebauung des Grundstücks befürwortet, habe stets betont, dass dies nur geschehen dürfe, indem die Beuys-Bäume erhalten bleiben. Bereits vor drei Monaten hatte die HNA von Protesten berichtet, die sich gegen die drohende Fällung richteten. Protestiert hatte auch Dr. Rhea Thönges-Stringaris, langjährige Beuys-Vertraute, Mitglied im Kuratorium Stiftung 7000 Eichen und ehemalige Grünen-Stadtverordnete. Das Grundstück könne auch mit den Bäumen problemlos bebaut werden, sagt sie.

Eigenhändig habe der 1986 verstorbene Joseph Beuys die Bäume gepflanzt. Nebenan, an der Tischbeinstraße, hatte er sein Büro 7000 Eichen. Das Motto lautete: Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung. Als Ironie bezeichnet Dr. Volker Stockmeyer, Vorsitzender der Stiftung 7000 Eichen, die Tatsache, dass die Bäume jetzt ausgerechnet der Stadtverwaltung zum Opfer gefallen sind. Man habe bei der Stadt versäumt, die Kaufinteressenten im Vorfeld darauf hinzuweisen, dass die Bäume stehen bleiben müssen, sagt Stockmeyer. Es gehe offensichtlich nur ums Kassemachen. Er findet es bedauerlich, dass man im Rathaus nicht verstanden habe, dass Beuys-Bäume und Standorte nicht auswechselbar sind.

Arbeiten erschwert

Der Verkauf des städtischen Grundstücks Philosophenweg 39 mit dem geplanten Bauvorhaben habe sich von Sommer 2008 bis Herbst 2010 hingezogen, sagt Regula-Maria Ohlmeier, die Leiterin des Umwelt- und Gartenamts. Die mögliche Bebauung sei vor allem durch die Beuys-Bäume an den Rändern des Grundstücks erschwert worden. Diese „schwierige Situation“ sei mit dem Beirat 7000 Eichen, der Stiftung 7000 Eichen und in der Stadtverwaltung bei mehreren Gesprächen kontrovers diskutiert worden. Letztendlich habe es aber eine Entscheidung für das Bauvorhaben gegeben.

Für die gefällten Eichen will die Stadt auf der gegenüberliegenden Straßenseite Schwarzer Weg zwei neue Bäume sowie an der Straßeneinmündung Philosophenweg / Ecke Tischbeinstraße zwei weitere Bäume nachpflanzen.

Ortsvorsteher Doenst bezeichnet das Vorgehen der Verwaltung als „weiteren Schritt in die Verwüstung einer grünen Stadt“. Da es sich hier zudem um ein Kunstwerk handele, sei dieser „Kahlschlag ein Schlag in das Gesicht“ einer documenta-Stadt.

Von Christina Hein

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