67-Jähriger verkaufte an Kunden TVs und Laptops, die es nie gab

Bewährung für Betrüger

Kassel. Als der Richter die zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung verkündete, sah der Angeklagte aus, als ob ihm Tränen der Erleichterung kämen. Seine neben ihm stehende Ehefrau griff nach seinen Händen. Sie war gerade freigesprochen worden. Damit hatten der 67-jährige Kasseler und die 66-jährige Kasselerin am Dienstag die Ziele ihrer Berufungen erreicht.

Im August hatte es anders für die Eheleute ausgesehen: Das Kasseler Amtsgericht hatte den Mann damals wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Gegen die Frau war wegen Beihilfe in fünf Fällen eine halbjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängt worden.

Sie hatte stets bestritten, mit den Betrügereien zu tun gehabt zu haben. Auch ihr Mann hatte jede Verwicklung seiner Gattin verneint. Seine eigenen Taten aber hatte er gestanden: Er habe zwischen 2007 und 2009 etlichen Leuten Geldbeträge abgenommen, indem er ihnen vorgaukelte, er sei Messebauer und könne für sie preiswert Laptops und Fernseher beschaffen.

Zwischen einigen Hundert Euro für ein Gerät und mehreren 1000 Euro für mehrere Geräte wurden ihm ausgehändigt. Tatsächlich habe es die behaupteten Kaufgelegenheiten nie gegeben, sagte der Angeklagte – und auch den Job beim Messebau nicht mehr.

„Ich war zu der Zeit spielsüchtig“, erklärte der 67-Jährige gestern dem Berufungsgericht. Er habe Schulden gehabt, und immer wieder „Löcher“ stopfen müssen.

Seiner Frau war vorgeworfen worden, sie habe als Patientin einer Reha-Einrichtung den freundlichen Kontakt zu Mitarbeitern genutzt, um diese für die vermeintlichen Schnäppchen-Chancen ihres Gatten zu interessieren. Doch gestern blieben dem Gericht zu viele Zweifel, ob nicht auch dort allein der Mann alles eingefädelt haben könnte.

Eines seiner anderen Opfer hatte der 67-Jährige offenbar sogar im Taxi gefunden. So erzählte es jedenfalls gestern ein Mann, der den Prozess als Zuschauer verfolgte. Der Angeklagte sei sein Fahrgast gewesen, als er von der Chance auf preisgünstige Computer erzählte. Man blieb in Kontakt. Die vorab gezahlte Summe wurde ordentlich quittiert. Nur die Ware kam nicht.

Sechs Jahre ist das her. Weil der Angeklagte zwischenzeitlich schwer krank war, hatte lang gar nicht gegen ihn verhandelt werden können. Jetzt aber, sofern das gestrige Urteil rechtskräftig wird, sollen der Zuschauer und andere Geschädigte Geld sehen. Dem Angeklagten wurde zur Bewährungsauflage gemacht, vier Jahre lang monatlich 250 Euro zu zahlen, um einen Großteil des Gesamtschadens von 16 800 Euro abzutragen. Nach eigenen Angaben hat er Arbeit, die ihm das ermöglicht.

Von Katja Schmidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.