13-monatige Haftstrafe

Kasseler schlug Partnerin gleich zweimal: Bewährung

Kassel. Dass er seine damalige Lebensgefährtin am Neujahrsmorgen 2013 brutal zusammenschlug, bestritt der Angeklagte nicht. Nur sagte der 30-jährige Kasseler, er könne sich nicht mehr erinnern, wie und wohin er schlug: mit Fäusten ins Gesicht – das könne sein. Ein Kopfstoß – auch das sei möglich.

Er habe die Kontrolle über sich verloren. Das Kasseler Amtsgericht verurteilte ihn am Montag wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen, davon einmal in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung. Zusätzlich wurde der 30-Jährige zweier kleiner Diebstähle im Dezember 2012 schuldig gesprochen. Für alles zusammen verhängte das Gericht 13 Monate Freiheitsstrafe – und setzte diese zur Bewährung aus.

Um nicht doch in Haft zu müssen, muss sich der 30-Jährige nun vier Jahre lang straffrei halten – und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Die Staatsanwaltschaft und der Nebenklagevertreter hatten sich gegen Bewährung ausgesprochen.

Gleich zweimal hatte der 30-Jährige die Frau - von der er gestern behauptete, er liebe sie noch immer – an jenem Morgen attackiert. Das erste Mal auf offener Straße in der Nordstadt: Zeugen sahen, wie ein zweiter Mann versuchte, den Schläger zurückzuhalten – und der doch wieder auf die Frau losging. Die Polizei wurde alarmiert. Die malträtierte Nebenklägerin landete im Krankenhaus.

Später zu Hause habe der 30-Jährige behauptet, mit ihr reden zu wollen - und doch wieder geschlagen, berichtet sie. Ausgerastet sei er schließlich, als sie ihm Sex verweigert habe.

Als Polizeibeamte in die verwüstete Wohnung kamen, zeigten ein Mitbewohner und dessen Bruder ihnen einen abgebrochenen Flaschenhals mit dem der 30-Jährige auf die Frau habe losgehen wollen. Die beiden hatten ihn offenbar zurückhalten können. Die von Blut verschmierte Frau wurde in ein anderes Krankenhaus gebracht.

Was genau der Hintergrund der Attacken des Angeklagten war, wurde gestern nicht geklärt. Der 30-Jährige selbst gab an, auf einer Silvesterparty sehr viel Alkohol getrunken zu haben. Ein Tanz seiner Partnerin, der nur in eine „Striptease-Bar“ gepasst habe, sei ihm peinlich gewesen. Auf dem Heimweg habe sie Sex zu dritt mit dem Mitbewohner vorgeschlagen: „Da habe ich die Kontrolle über mich verloren.“

Die Nebenklägerin beschrieb eine gegenteilige Situation: Der eifersüchtige Angeklagte habe von Sex zu dritt zu reden angefangen. Sie habe sich furchtbar geärgert. Dann habe er sie geschlagen.

„Ob da nun Anlass zur Eifersucht war, ist irrelevant“, stellte der Richter gegenüber dem Angeklagten klar: „Man schlägt nicht einfach auf irgendwelche Leute ein – und schon gar nicht auf die, die man liebt.“

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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