35-Jähriger gestand, eine Prostituierte geschlagen zu haben, damit sie weiter für ihn anschafft

Bewährungsstrafe für gewalttätigen Zuhälter

Kassel. Armut treibt Menschen mitunter zum Äußersten. In jüngster Zeit werden in Kassel immer öfter Fälle von Prostitution bekannt, in die bulgarische Frauen verstrickt sind, hieß es am Donnerstag in einem Prozess vor dem Amtsgericht.

Inzwischen sei ein regelrechter Pendelverkehr zwischen dem südosteuropäischen Land und der Bundesrepublik entstanden. Vor Gericht musste sich nun ein bulgarischer Zuhälter verantworten, der eine Frau verprügelt hatte, die nicht mehr für ihn auf den Strich gehen wollte. Der 35-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe davon, unter anderem, weil er die Vorwürfe ohne Umschweife gestand.

Er sei im Januar gemeinsam mit zwei Frauen nach Kassel gekommen, berichtete der Vater von fünf Kindern. Sie hätten in einer Wohnung in der Leipziger Straße gelebt. Zu Hause, berichtete der gelernte Metallarbeiter, habe er sich mit Gelegenheitsjobs als Maler durchgeschlagen, seine Familie habe von gerade mal 400 Euro im Monat gelebt. In Kassel hätte er versucht, im Schrotthandel Arbeit zu finden, was nicht wirklich geklappt habe.

Bereits im März, so soll der gemeinsame Plan gewesen sein, hätten die drei wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen. Doch daraus wurde nicht, denn im Februar war bei einer Polizeikontrolle aufgeflogen, dass der 35-Jährige eine der beiden Frauen ins Gesicht geschlagen hatte, als sie ihm offenbarte, dass sie nicht länger für ihn arbeiten wolle. Danach wanderte er in Untersuchungshaft.

Mit den Schlägen brachte er die 23-Jährige dazu, dass sie zunächst weiter für ihn auf den Strich ging und ihre Einnahmen bei ihm ablieferte, hieß es in der Anklage. Weil der 35-Jährige, der zur türkischen Minderheit in Bulgarien gehört, am Donnerstag geständig war, musste die betroffene Frau nicht als Zeugin gehört werden.

„Sie kommen aus ärmlichen Verhältnissen, doch das rechtfertigt nicht solche Taten“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er hielt dem Angeklagten neben seinem Geständnis zugute, dass er nicht vorbestraft ist. „Es wird nicht noch mal passieren“, versprach der 35-Jährige. Das Gericht folgte am Ende eines äußerst kurzen Prozesses dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Angeklagten wegen Menschenhandels und Körperverletzung zu 18 Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden.

Richterin Schiborr verwies darauf, dass der Angeklagte „Frauen ausgebeutet hat, die aus ähnlichen Verhältnissen wie er kommen“, deshalb könne die Strafe nicht im unteren Bereich liegen. Sie war jedoch überzeugt davon, „dass die Untersuchungshaft so beeindruckend war, dass solche Taten nicht mehr vorkommen werden“. (pas)

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