42-jähriger Angeklagter räumte Taten ein

Bewährung für Kindesmissbrauch

Kassel. „Ich weiß nicht, was in meinem kranken Kopf vorgegangen ist“, sagte der 42-jährige Angeklagte. Vor dem Landgericht Kassel gestand er am Dienstag, die Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin zwischen 1997 und 2004 mehrfach missbraucht zu haben.

„Warum“, fragte er sich, „sind meine Hände da gelandet?“ Er wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Er hatte das Mädchen, das zum Zeitpunkt der Vorfälle zwischen fünf und elf Jahre alt war, mindestens sieben Mal im Schambereich berührt, sowohl auf wie unter der Kleidung. In einem Fall musste es sich komplett entkleiden. Die ersten Übergriffe geschahen, während der Angeklagte mit dem Kind und dessen Mutter zusammenlebte. Nach der Trennung von der Lebensgefährtin kam deren Tochter öfter zu ihm zu Besuch. Auch da vergriff sich der heute 42-Jährige an der Minderjährigen.

Bei der Polizei hatte er die Vorwürfe noch geleugnet, im Gerichtssaal räumte er ohne Umschweife alles ein. Dem heute 19-jährigen Opfer blieb es so erspart, die Vorfälle erneut detailliert zu schildern. Sie verfolgte das Geschehen vom Zuschauerraum aus, der Angeklagte richtete eine Entschuldigung direkt an sie: „Es tut mir leid, ich bereue das.“

Damit lassen sich die Folgen wohl nicht vom Tisch wischen, die die 19-Jährige – als sie doch kurz in den Zeugenstand gerufen wurde – eindrücklich schilderte: Zunächst habe sie versucht, nicht daran zu denken, als sie jedoch mit 14 ihren ersten Freund hatte, „kam alles wieder hoch“. Sie kam in der Schule mit männlichen Lehrern nicht klar, hatte Angstattacken und Selbstmordgedanken. Auf Anraten eines Lehrers entschied sie sich für eine Therapie.

Trotz allem „empfinde ich immer noch keinen Hass“, sagte sie. Der Mann auf der Anklagebank, davon rückte sie nicht ab, sei ihr stets „ein guter Vater“ gewesen. Deshalb „möchte ich nichts Schlimmes für ihn“. Sie habe lange auf die Entschuldigung warten müssen.

Geständnis noch rechtzeitig

„Das Geständnis kam spät, aber gerade noch rechtzeitig“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Mütze am Ende des Prozesses, für den ursprünglich noch zwei weitere Tage geplant waren. Die 6. Strafkammer verurteilte den 42-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden.

Außerdem muss er 2000 Euro Schmerzensgeld an die 19-Jährige zahlen. Richter Mütze rechnete dem Angeklagten das Geständnis an, doch er machte auch deutlich, welch schwerwiegende Folgen die Erlebnisse haben. Damit er in seiner Bewährungszeit öfter daran erinnert wird, erlegte ihm das Gericht außerdem noch auf, 1000 Euro an den Kasseler Kinderschutzbund zu zahlen.

Von Ralf Pasch

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