Amtsgericht verurteilt zwei junge Männer, darunter auch ein ehemaliger KSV-Spieler

Bewährung für Schläger

Kassel. Der Tatort lag genau vor den Fenstern des Gerichtssaals. An der Trompete, der großen Kreuzung vor dem Justizgebäude an der Frankfurter Straße, hatten die beiden Angeklagten im Oktober 2012, frühmorgens und mit reichlich Alkohol im Blut, einen vielleicht noch betrunkeneren Mann in die Bewusstlosigkeit getreten. So jedenfalls sah es nach zwei Verhandlungstagen das Kasseler Amtsgericht.

Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilte es einen 27-jährigen VW-Arbeiter zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe. Etwas höher fiel die Strafe für einen 24-Jährigen aus, der sich als „Berufsfußballer“ bezeichnete und immerhin zwei Regionalligaeinsätze für den KSV Hessen Kassel vorweisen kann: Weil er auch noch zwei Freunde des Opfers niedergestreckt hatte, die sich einmischen wollten, verhängte das Gericht gegen ihn eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten - ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung.

„Sie wissen, wie Sie zutreten müssen“, sagte Richterin Ariane Hahn. „Zwischen einem Fußball und einem Körper ist da nicht so ein großer Unterschied.“ Dass die Schläge und Tritte, wie die Verteidigung argumentierte, reine Notwehr gewesen seien, wollte Hahn nicht glauben. Gleichwohl hielt auch sie den Angeklagten zugute, was Rechtsanwalt Knuth Pfeiffer in seinem Plädoyer eine „massive Tatprovokation“ durch das spätere Opfer genannt hatte.

Der 30-Jährige hatte dem Auto, in dem die beiden Angeklagten nach einem Discobesuch mit einer Freundin nach Hause fahren wollten, an der Oberen Karlsstraße im Weg gestanden - erst nach mehrmaligem Hupen bemühte er sich von der Fahrbahn. Dann jedoch rannte er plötzlich dem Wagen hinterher. Und trat an der nächsten roten Ampel eine Rückleuchte des Fahrzeugs ein. Warum auch immer. Das konnte oder wollte er vor Gericht nicht erklären.

Jedenfalls stiegen die Angeklagten aus. Und die Situation eskalierte zur blutigen Schlägerei. „Wegschubsen, ins Auto steigen, wegfahren - das wär’s gewesen“, sagte die Richterin. „Aber nein, es wurde so lange auf den Mann eingedroschen, bis er am Boden lag.“ Und auch danach noch weiter auf ihn eingetreten. Eine Woche lang lag der 30-Jährige danach im Krankenhaus.

Schmerzensgeld

800 Euro Schmerzensgeld muss der VW-Arbeiter, der bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, als Bewährungsauflage an das 30-jährige Opfer zahlen.

Der Fußballspieler hat dagegen, weil derzeit arbeitslos, hundert Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Wenn denn die Angeklagten nicht in Berufung gehen: Ihre Verteidiger hatten Freispruch gefordert - oder allenfalls eine Geldstrafe.

Von Joachim F. Tornau

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