25-jähriger Mann bedrohte und beraubte nach durchfeierter Nacht eine 51-jährige Prostituierte

Bewährung für üble Nummer

Kassel. Ordnung musste sein, auch beim Rauben. Säuberlich hatte der junge Mann die Wohnung seines Opfers durchsucht. Hatte jede Blume, die er beim Stöbern nach Geld aus ihrem Topf gerissen hatte, wieder zurückgesteckt. „Da schlug wohl die gute Erziehung durch“, sagte Richter Jürgen Stanoschek, als das Kasseler Landgericht den 25-Jährigen am Donnerstag zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilte. Dennoch betonte der Strafkammervorsitzende: „Was Sie gemacht haben, war übel.“

An einem Novembermorgen 2009 hatte der Angeklagte nach einer durchfeierten Nacht bei einer Prostituierten in der Fünffensterstraße geklingelt und sich von ihr befriedigen lassen. Für 35 Euro. Danach aber hatte der Mann, der neben einem halben Liter Wodka auch noch zwei Linien Kokain intus hatte, sein Geld zurückverlangt. „Zufrieden war ich nicht“, erklärte er in seinem freimütigen Geständnis. „Hat mir nicht so gut gefallen, vom Flair her.“

Getreten und geschlagen

Er trat und schlug die Frau und bedrohte sie schließlich sogar mit einem Teppichmesser. „Er hat gesagt, dass er mir das Auge kaputt schneiden wird, damit ich nicht mehr sehen kann“, erzählte die 51-Jährige, die seit einem Verkehrsunfall bereits auf einem Auge erblindet ist. „Ich habe wirklich Angst gehabt.“ Am Ende verschwand der junge Mann mit einer Digitalkamera und Bargeld in verschiedenen Währungen – umgerechnet rund 600 Euro.

„Ich weiß gar nicht, warum ich das gemacht habe“, zeigte sich der 25-Jährige vor Gericht zerknirscht. „Ich schäme mich dafür.“ Denn eigentlich sei so etwas gar nicht seine Art. Vorstrafen hat er keine, sein Lebensweg verlief schnurgeradeaus: Fachabitur, Ausbildung, fester Job und bis heute ein Zimmer im Elternhaus. „Ich möchte mein Leben so weiterführen, wie ich das bisher getan habe – bis auf diesen einen Abend.“

Eifrig hat er sich darum um Schadensbegrenzung bemüht. Kurz nachdem ihn sein Opfer nach der Tat auf der Straße wiedererkannt, mit dem Handy fotografiert und bei der Polizei angezeigt hatte, legte er ein Geständnis ab. Und ohne Murren zahlte er die Summe von 5800 Euro, die die 51-Jährige als Schadensersatz und Schmerzensgeld von ihm gefordert hatte. Was das Gericht ihm nun strafmildernd als erfolgreichen Täter-Opfer-Ausgleich anrechnete.

Außerdem stufte ihn die Strafkammer wegen seines hohen Alkohol- und Drogenpegels an jenem Morgen als vermindert schuldfähig ein. Ohne diesen doppelten Rabatt wäre dem Angeklagten der Gang ins Gefängnis wohl nicht erspart geblieben: Die Mindeststrafe für besonders schweren Raub beträgt eigentlich fünf Jahre. So aber konnte dem 25-Jährigen gerade noch die Chance zur Bewährung gegeben werden. Als Auflage muss er weitere 3600 Euro zahlen. Doch das nahm er gern in Kauf – das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. (jft)

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