Angeklagter soll Frau sexuell genötigt haben - Verurteilung wegen Körperverletzung

Bewährungsstrafe für Angriff auf Prostituierte

Kassel. An einem Abend im März 2010 soll in einer Kasseler Wohnung eine Prostituierte nicht nur um ihre Einnahmen gebracht, sondern auch misshandelt worden sein. Doch vom Verlauf jenes Abends gibt es diverse Versionen, und so hatte es das Amtsgericht schwer, ein Urteil zu finden.

Eine Version ist die des 52-jährigen Angeklagten: Er habe das spätere Opfer in einer Kneipe getroffen. Sie habe dort mehrere Männer „angemacht“, und auch ihm Sex gegen Geld angeboten. Er habe „aus Prinzip“ abgelehnt. „Für Sex zahle ich nicht.“ Er habe sich lediglich dazu hinreißen lassen, sei mit in seine Wohnung zu nehmen, um dort ein Bier zu trinken. Dann sei sie „abgehauen“.

Die 32-jährige Frau schilderte es ganz anders: Sie habe mit dem Angeklagten Verkehr vereinbart, zum Preis von 50 Euro und gegen Vorkasse. Sie sei mit ihm nach Hause gegangen, vor seiner Wohnung sei er plötzlich „total verändert“ gewesen, er habe die Tür aufgeschlossen, sie auf den Boden des zugemüllten Zimmers geworfen, auf das Bett gezerrt, ihr die Hose herunter gezogen. Nur durch einen Tritt in seinen Unterleib habe sie sich seiner entledigen und aus dem Zimmer fliehen können. Später brach sie auf der Straße zusammen, die Polizei brachte sie ins Krankenhaus, die Ärzte stellten Prellungen und Kratzer fest.

Gegenüber der Polizei hatte sie sich, wie sie vor Gericht einräumte, „in Widersprüche verstrickt“. So gab sie an, sie sei von einem Taxifahrer vergewaltigt und aus dem Auto gestoßen worden. Sie beschrieb Fahrer und Auto detailliert. In einer weiteren Aussage beschuldigte sie einen anderen Taxifahrer. Erst danach „habe ich die Wahrheit gesagt“. Als Gründe gab sie an, dass sie einerseits Angst vor dem Angeklagten gehabt habe, andererseits ihrem Lebensgefährten nicht die Wahrheit habe sagen wollen.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht“, gestand Richter Leyhe am Ende der Verhandlung. Übrig blieb für das Gericht jedoch lediglich eine vorsätzliche Körperverletzung.

Unter anderem die „groben Abweichungen“ in den Aussagen der 32-Jährigen hätten dazu geführt, „dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, was abgelaufen ist“. Sicher sei lediglich, dass die Frau in der Wohnung des Angeklagten war und dort misshandelt wurde. Ihre Angaben zu der angeblichen sexuellen Nötigung seien jedoch zu dünn gewesen. Deshalb verurteilte das Gericht den 52-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird - er muss zudem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (pas)

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