33-Jähriger kassierte bar für unerledigte Arbeiten

Bewährungsstrafe für Bauunternehmer

Kassel. „Es tut mir weh, dass das in die Hose gegangen ist“, sagte der 33-jährige Angeklagte vor dem Amtsgericht. Er hatte im Januar 2011 einem Kasseler Rentnerehepaar unter anderem versprochen, die Hauseinfahrt umzugestalten und neue Garagentore einzubauen.

Er verlangte 38.000 Euro im Voraus, doch die Hausbesitzer warteten vergeblich darauf, dass der Auftrag erledigt wird. „Ich will dafür gerade stehen“, sagte der gescheiterte Bauunternehmer im Gerichtssaal. Freilich suchte er die Schuld dafür nicht nur bei sich.

Das Ehepaar hatte ihn von Bekannten empfohlen bekommen, weil er gute Arbeit leiste. Seine Mitarbeiter begannen dann auch, den Asphalt vor dem Haus aufzureißen, die Mauern des Kellers abzudichten. „Doch danach tat sich nicht mehr viel“, berichtete der 67-jährige Hausbesitzer.

Zunächst seien zwei bis drei Arbeiter auf der Baustelle gewesen, schließlich war es nur noch einer. Gleichwohl sei der 33-Jährige mehrfach mit Geldforderungen an ihn herangetreten, weil er angeblich Material kaufen wollte. Der 76-Jährige zahlte „im Vertrauen“ und immer in bar. „Irgendwann kam er nur noch zum Kassieren“, schimpfte seine 68-jährige Frau über den Bauunternehmer, zu dem sie „unheimliches Vertrauen“ hatte. „Er redete so oft darüber, wo er schon überall gearbeitet hat.“

Offenbar war dem 33-Jährigen seine Rolle als Unternehmer über den Kopf gewachsen. Seine Mitarbeiter, so gestand er vor Gericht ein, habe er stets auf dem Schwarzmarkt rekrutiert, ganze neun sind nach seinen Angaben auf der Baustelle des Kasseler Ehepaares zugange gewesen. „Drei kannte ich persönlich, sechs bekam ich auf Empfehlung.“

Richterin spricht von Betrug

Über ihre Qualifikation habe er sich ein Bild gemacht, während er mit ihnen auf Baustellen zusammengearbeitet habe. Eines Tages seien ein paar von ihnen „verschwunden“ gewesen, einige hatte er zu dem Zeitpunkt bereits bezahlt. „Es war nie meine Absicht, das Projekt nicht zu beenden“, beteuerte der 33-Jährige. In den Augen von Richterin Focke war das Betrug.

Sie verurteilte in zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten, die zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurde. In der Anklage hatten noch zwei weitere Vorwürfe gestanden: So soll er bei einer Kasseler Firma Holzbauelemente für einen Neubau bestellt und nicht bezahlt haben, der Schaden soll sich auf rund 1700 Euro belaufen.

Daneben hatte ihm die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe einen Auftrag zur Renovierung einer Kasseler Wohnung angenommen, rund 4000 Euro kassiert, dann aber alles unvollendet stehen und liegenlassen.

In beiden Fällen wurden am Donnerstag Zeugen gehört, der Chef des Holzhandels etwa berichtete, der Angeklagte habe sich als Mitarbeiter eines Berufsbildungszentrums ausgegeben. Doch beide Fälle wurden eingestellt, weil die Beweislage zu dünn war. (pas)

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