Landgericht verordnet einem geistig eingeschränkten Mann eine Therapie

Bewährungsstrafe für Exhibitionisten

Kassel. Er wollte niemanden erschrecken. Oder einschüchtern. Und auch mit sexueller Befriedigung hatte es nichts zu tun, als sich ein 50-Jähriger vor Kindern in Kassel und Hofgeismar entblößte. Der geistig eingeschränkte Mann, erklärte Psychiater Georg Stolpmann im Landgericht, habe lediglich Kontakt gesucht. Und wisse es halt nicht besser.

Deshalb soll dem Angeklagten nun im fortgeschrittenen Alter beigebracht werden, dass Kontaktanbahnung anders funktioniert. Mit der zwölfmonatigen Bewährungsstrafe, die die Strafkammer am Ende verhängte, bleibt dem einschlägig vorbestraften Mann der Gang ins Gefängnis zwar noch einmal erspart. Doch bei den Bewährungsauflagen zog das Gericht alle Register. „Er muss endlich lernen, dass es so nicht geht“, sagte Strafkammervorsitzender Volker Mütze.

Fünf Jahre, so lang wie irgend möglich, läuft die Bewährungsfrist. In dieser Zeit darf sich der 50-Jährige nicht mehr in der Nähe von Schulhöfen oder Kinderspielplätzen aufhalten, um sich gar nicht erst in Versuchung zu bringen. Er soll eine begonnene Therapie fortsetzen.

Der Angeklagte, der in einer Behinderteneinrichtung in Hofgeismar lebt und arbeitet, hatte sein Beinkleid in jüngerer Zeit gleich zweimal zur falschen Zeit geöffnet. An einem Juninachmittag 2010 stellte er sich in der Wohnung seiner Mutter in Kassel hinter das Wohnzimmerfenster, zog sich aus – gut sichtbar für zwei kleine Mädchen, die vor dem Fenster auf einem Spielplatz herumtollten.

Gut ein Jahr später, im August 2011, bot er zwei 13-Jährigen auf einem Schulhof in Hofgeismar „Zärtlichkeiten“ an: Sein Glied ragte ihm dabei aus der Hose. Als ihn die Mädchen abwiesen, radelte er umgehend davon. „Die wollten das nicht“, erzählte er kleinlaut vor Gericht. „Ich hab’ das dann akzeptiert.“ Auch den Vorfall in Kassel gab der Mann zu, mit kaum vernehmlicher Stimme.

Als „sehr einfach strukturiert und in seiner sozialen Kompetenz eingeschränkt“ beschrieb ihn Psychiater Stolpmann. Der 50-Jährige sei keineswegs pädophil, sondern suche eigentlich eine Freundin – eine erwachsene. Und mit seinem exhibitionistischen Handeln wolle er sich öffnen und attraktiv wirken. „Durch das Zurschaustellen der Genitalien wird versucht, einen Kontakt anzubahnen.“

Wären die Mädchen darauf eingegangen, hätte sich der Angeklagte den nächsten Schritt des Kennenlernens übrigens ganz klassisch vorgestellt: mit einer Einladung zum Eisessen. (jft)

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