Drogenabhängiger plünderte Goldankaufsgeschäft

Bewährungsstrafe für Juwelendieb

Kassel. „Dumm gelaufen“, sagte der Angeklagte. Aber, so beeilte er sich hinzuzufügen, er sei auch froh darum. Auf denkbar unglückliche Weise war der 37-Jährige des Einbruchs in ein Goldankaufsgeschäft in Kassel überführt worden.

Ein Pärchen, bei dem er seine Schulden mit einem Teil der Beute beglichen hatte, war in eben diesen Laden gegangen, um den Schmuck zu verkaufen.

Am Mittwoch wurde der Mann, der nach seiner Festnahme auch noch einen weiteren Einbruchsversuch gestanden hatte, vom Kasseler Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. „Sie haben mit Ihrem Geständnis nicht uns, also der Justiz, einen Gefallen getan“, betonte Gerichtspräsident Erich Fischer in der Urteilsbegründung. „Sondern vor allem sich selbst.“

Denn damit habe sich der heroinabhängige Angeklagte das Gefängnis erspart - und die Tür zu einem neuen, anderen Leben offen gehalten. Einem Leben ohne Drogen. Und ohne Straftaten. Weil der 37-Jährige das ähnlich sieht, konnte er über sein Pech (und das Glück der Ermittler) sogar lachen.

Erst im vergangenen Jahr war der gebürtige Kasseler, der den Großteil seines bisherigen Lebens in den USA verbracht hat, zurück nach Nordhessen gekommen - ausgewiesen aus den Vereinigten Staaten nach einer mehrjährigen Gefängnisstrafe wegen Diebstählen. Begangen, weil er „richtig süchtig“ gewesen sei, nach Schmerztabletten, Marihuana, Heroin.

Auch in Kassel kam der gelernte Elektriker nicht von den Drogen los. Verstrickte sich in Lügengeschichten gegenüber seinem Arbeitgeber, häufte Schulden an. „Ich war verzweifelt.“ Also zog er eines Nachts im April 2013 los und versuchte, die Schaufensterscheibe eines Juweliergeschäfts in der Friedrich-Ebert-Straße einzuschlagen. Dahinter lag Schmuck im Wert von etwa 40 000 Euro.

Das Panzerglas hielt der Attacke stand. Zwei Nächte später aber war der Mann erfolgreicher: Über den Innenhof drang er in den Goldankaufsladen in der Wolfsschlucht ein und raffte zusammen, was er finden konnte: Uhren, Münzen, Steine, Schmuck. Insgesamt sieben Kilogramm im Gesamtwert von 10 000 Euro.

Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft ringt er nun um einen Neubeginn. Hat seinem Chef reinen Wein eingeschenkt und eine Substitutionstherapie begonnen. Beides rechnete ihm das Gericht hoch an - und schrieb als Bewährungsauflage fest, dass der Mann die Subotex-Behandlung fortsetzen muss. Scheitert er, droht ihm doch noch die Strafhaft. Zum ersten Mal in Deutschland. (jft)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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