Angeklagter soll Polizisten getreten haben

Nach „Querdenker“-Demo: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen

Groß-Demonstration am 20. März: Polizisten und „Querdenker“ standen sich in der Kasseler Innenstadt gegenüber. Ein 21-Jähriger aus Kassel soll damals einen Beamten getreten haben.
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Groß-Demonstration am 20. März: Polizisten und „Querdenker“ standen sich in der Kasseler Innenstadt gegenüber. Ein 21-Jähriger aus Kassel soll damals einen Beamten getreten haben.

Bei der Groß-Demonstration der „Querdenker“ am 20. März soll ein Teilnehmer Polizisten getreten haben. Vor Gericht erschien der 21-Jährige nicht. Trotzdem wurde er verurteilt.

Kassel – Neun Monate nach der Groß-Demonstration der „Querdenker“ am 20. März beschäftigen die Geschehnisse von damals die Justiz. Gestern musste sich ein 21-Jähriger aus Kassel vor dem Amtsgericht verantworten, weil er auf einen Polizisten eingetreten haben soll. Der Angeklagte erschien aber nicht in Saal D 105. Trotzdem erhielt er eine Freiheitsstrafe:

Richterin Manuela Focke verurteilte ihn zu sieben Monaten auf Bewährung. Zusätzlich muss der Mann 2500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

Solch ein Urteil ist in der Rechtssprechung nicht ungewöhnlich, wie der stellvertretende Pressesprecher des Amtsgerichts, Andreas Poppe, sagt. Erscheint ein Angeklagter nicht vor Gericht, kann er für einen weiteren Termin per Zwang vorgeladen werden. Notfalls müssen ihn dann Polizisten zum Prozess bringen. Das Gericht kann jedoch auch gleich einen Strafbefehl aussprechen. Die Freiheitsstrafe muss dann aber zur Bewährung ausgesetzt werden.

So hatte Staatsanwalt Martin Gerhard am Montag sieben Monate auf Bewährung gefordert. Laut Anklage soll sich der junge Mann am 20. März auf dem Theaterplatz zwischen Regierungspräsidium und Staatstheater widersetzt haben, als Polizisten seine Personalien feststellen wollten. Damals galt in der gesamten Innenstadt eine Maskenpflicht. Der Mann trug jedoch keinen Schutz. Anschließend soll er sein Bier über einen der Polizisten geschüttet haben und geflüchtet sein. Nachdem die Beamten ihn gestellt hatten, habe er sich erneut gewehrt. Um die Personalien aufzunehmen, habe man ihn an einen anderen Ort tragen müssen. Dabei soll er einen Polizisten mit Fußtritten am Oberkörper getroffen haben.

Vor Gericht waren lediglich die drei beteiligten Polizisten als Zeugen erschienen. Richterin Focke ordnete dem Angeklagten einen Pflichtverteidiger bei. Er kann nun zwei Wochen nach Zustellung des Strafbefehls Einspruch einlegen. Dann könnte es eine erneute Verhandlung geben.

Seiner Familie soll der Angeklagte nach HNA-Informationen gesagt haben, er sei am 20. März zum Einkaufen in der Innenstadt gewesen und nur zufällig auf der „Querdenker“-Veranstaltung gelandet. Zudem soll er mittlerweile doppelt geimpft sein und auch schon einen Termin zum Boostern haben. (Matthias Lohr)

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