Heinrich Kleim, Gründungsmitglied des Heimatvereins Dorothea Viehmann, wurde 91 Jahre alt

Bewahrer der Märchen gestorben

Heini Kleim

Niederzwehren. Ein Lieblingsmärchen hat Heinrich Kleim nie gehabt. Alle 37 Märchen, die Dorothea Viehmann den Brüdern Grimm erzählt haben soll, hätten ihm immer am Herzen gelegen, erzählte Kleim vor neun Jahren anlässlich des 50. Geburtstages des Heimatvereins Dorothea Viehmann Kassel-Niederzwehren.

Am Mittwoch ist das Gründungsmitglied des Heimatvereins und der Ehrenvorsitzende im Alter von 91 Jahren gestorben. „Mein Vater ist friedlich zu Hause eingeschlafen“, sagt sein jüngster Sohn Jürgen Kleim. Zudem hinterlässt Kleim seinen Sohn Uwe. Sein ältester Sohn Heinz-Günter starb im Januar dieses Jahres im Alter von 65 Jahren. Kleim war bereits seit sieben Jahren Witwer, seine Frau Ursula starb im Jahr 2006.

In die Wiege gelegt

Die Verbundenheit zu Dorothea Viehmann wurde „Heini“ Kleim, wie er genannt werden wollte, in die Wiege gelegt. Kleim wurde im Märchenviertel geboren; im gleichen Haus, in dem früher die berühmte Märchenerzählerin Dorothea Viehmann wohnte. Später bauten seine Eltern ein Haus Am Rosengarten. Dort lebte Kleim bis zu seinem Tod.

Nach der Volksschule und der mittleren Reife machte der Sohn eines Postbeamten eine Ausbildung als Industriekaufmann bei der Straßenbaufirma Heinrich Riede. Nach dem Krieg - seine Augenverletzung bezeichnete er als Andenken - ging Heinrich Kleim zu den Hessischen Nachrichten, dem Vorgänger der HNA. Er stieg bis zum Prokuristen und Personalchef auf. Im alten Druckhaus an der Friedrichsstraße war er noch für die Barauszahlung an die Mitarbeiter zuständig. Mit einem Schuhkarton, in dem die Lohntüten verstaut waren, ging er von einer Abteilung zur anderen. Da er sehr viel Bargeld dabeihatte, war er mit einer Pistole bewaffnet. „Das war damals Vorschrift“, erzählte Kleim anlässlich seines 90. Geburtstages.

Kleim war ein Mann, der sich für seinen Stadtteil und die Menschen einsetzte, der sich durch soziale Kompetenz und Menschlichkeit auszeichnete. Der Heimatverein wurde ursprünglich gegründet, um die Dorothea-Viehmann-Schule, die damals unter akuter Geldnot litt, zu unterstützen. Zudem sollten die Chronik des Stadtteils ergänzt und die Tradition Niederzwehrens erhalten beziehungsweise der Heimatgedanke gepflegt und gefördert werden. Lange war Kleim auch für den „Heimatbrief“, die Vereinszeitschrift, verantwortlich.

Mit 70 gab Kleim den Vorsitz des Heimatvereins ab. Nichtsdestotrotz stand er seinen Freunden und Weggefährten bis zum hohen Alter mit wertvollen Ratschlägen zur Seite, wenn das gewünscht war. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und der Stadtmedaille ausgezeichnet. (use/tos)

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 24. Oktober, 12.30 Uhr, auf dem Friedhof in Niederzwehren statt.

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