Kassel soll wichtiger Standort bleiben

Lkw-Sparte soll eigenständig werden - Bewegung im Kasseler Achsenwerk

Wie es mit dem Daimler-Achsenwerk in Kassel weitergehen wird, soll bald geklärt werden.
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Wie es mit dem Daimler-Achsenwerk in Kassel weitergehen wird, soll bald geklärt werden.

Das Lastwagen-Geschäft der Daimler AG soll künftig auf eigenen Füßen stehen. Was bereits seit Monaten im Raum stand, wurde nun beschlossen. Davon betroffen ist auch das Achsenwerk in Kassel.

Truck-Chef Martin Daum und der Vorsitzende des Daimler-Gesamtbetriebsrates, Michael Brecht, äußerten sich nun zur Zukunft der Truck-Werke, von denen eines mit fast 2900 Beschäftigten in Kassel steht.

Wenn die Hauptversammlung der Daimler AG den Plänen zustimmt, soll die Trennung zum Jahresende vollzogen werden. An der Truck AG soll der Mutterkonzern dann nur noch eine Minderheit halten. „Die Daimler AG wird ein geschätzter Investor sein, aber operativ keinen Einfluss haben“, sagte Daum. Arbeitnehmervertreter Brecht betonte: „Das ist keine Trennung aus mangelnder Liebe, aber sie ist für beide Unternehmen das Beste.“

In Kassel fordern Betriebsrat und Belegschaft seit Monaten eine Perspektive für ihren Standort. Die Arbeitnehmervertretung hatte immer wieder die Vorgehensweise des Truck-Managements kritisiert und forderte Gespräche. Die sollen nun kommen. Wohin die Reise für die Werke gehe, soll „innerhalb der nächsten zwei Monate geklärt werden“, sagte Brecht.

Truck-Werke, die auch für die Pkw- und Van-Sparte produzieren, sollen das auch weiterhin tun. „Die internen Leistungslieferverträge für die Aggregatewerke Kassel, Mannheim und Gaggenau bleiben bestehen“, sagten Daum und Brecht unisono. Brecht stellte klar: „Es gibt schon heute zwei getrennte Gesellschaften. Was sich verändern wird, ist die Aktionärsstruktur der Daimler Truck AG.“

Der Kasseler Betriebsratsvorsitzende Jörg Lorz weiß um die Stärken des Standortes: „Kassel hat mit seiner Kompetenz bei Radsätzen und Hinterachsen auch global gesehen eine tragende Rolle – auch bei E-Achskonzepten. Das ist auch weiterhin unser Anspruch, den gilt es auszubauen. Wir brauchen jetzt belastbare Aussagen zur Weiterentwicklung unseres Standortes.“

Der Kasseler Betriebsratsvorsitzende Jörg Lorz.

Eine wichtige Rolle spiele dabei die Frage, inwiefern Kassel sich künftig für die Produktion von E-Achsen in den drei Sparten Truck, Van und Pkw einbringen kann. „Diese Anschlusstechnologien sichern unsere Zukunft und mildern Beschäftigungsverluste“, so Lorz. Es habe jüngst eine positive Entwicklung in der Frage gegeben, ob künftig auch Achsen für den E-Sprinter in Kassel gefertigt würden. Dafür hatten Betriebsrat und Belegschaft zuletzt den Druck auf das Management erhöht. Derzeit werde die technische Machbarkeit geprüft, bestätigte auch Gesamtbetriebsrat Michael Brecht. „Ich bin zuversichtlich“, sagte er.

Die Daimler Truck AG solle „möglichst schnell emissionsfrei unterwegs sein“, sagte Vorstandschef Daum. Sowohl bei E-Antrieben als auch der Brennstoffzellen-Technologie wolle man eine führende Rolle einnehmen. Um für Investitionen gewappnet zu sein, stehe ein Fonds mit 1,5 Milliarden Euro bereit. „Wir wollen keine neue Idee ausschlagen“, sagte er. Dennoch sei es verfehlt, bereits jetzt Pläne für die nächsten 10 Jahre zu machen. „Es gibt viel Dynamik in unserer Branche, wir müssen flexibel bleiben.“ (Von Gregory Dauber)

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