Hundesachverständiger abgelehnt

Beweisaufnahme im Mordprozess Savasci abgeschlossen - Urteil kommende Woche

Er ist wegen des Verdachts des Mordes angeklagt: Der 51-jährige Bruder von Mehtap Savasci. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Hätte ein Leichenspürhund am 22. Oktober 2014 die Leiche von Mehtap Savasci zwingend im Boden eines Kleingartens in Wiesbaden finden müssen, wenn sie zu diesem Zeitpunkt dort verscharrt gewesen wäre?

Das wollte Volker Mütze, Vorsitzender Richter der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts, am Freitagnachmittag von einem Hundeführer aus Mainz wissen. Dessen ausgebildeter Leichenspürhund hatte an dem besagten Mittwoch vor fast einem Jahr den Kleingarten abgesucht, aber nicht angeschlagen.

Die Verteidigung im Mordprozess Savasci sieht das als Indiz dafür, dass der 51-jährige Angeklagte seine Schwester nicht in der Erde verscharrt haben kann. Der saß zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes an seiner Schwester.

Hundeführer: Zufälliger Fund 

Der Hundeführer, der seit dem Jahr 2009 mit diesem Hund zusammenarbeitet, erklärte, dass das Tier relativ wenig Chancen gehabt hätte, die Leiche zu finden. „Das wäre eher ein Zufall gewesen.“ Er habe damals den Ermittlern der Kripo Wiesbaden, die ihn bei der Suche begleitet hätten, gesagt, dass für solch eine Suche mehrere Hunde sowie ein Zeitraum von zwei bis drei Tagen erforderlich seien. Sein Hund sei damals nur 70 Minuten in dem Garten unterwegs gewesen.

Auch wenn er keine Leiche fand, zeigte der Hund Interesse an einer Wassertonne und einer Schubkarre. Das habe den Schluss zugelassen, dass möglicherweise eine Leiche mit der Schubkarre abtransportiert wurde. Das Gartengerät wurde sichergestellt und später daran die DNA der getöteten Mehtap Savasci gefunden.

Die Ausführungen des Hundeführers reichten der Verteidigung nicht aus. Verteidigerin Gabriele Steck-Bromme stellte deshalb einen weiteren Beweisantrag zu dem Leichenspürhund. Ein Kynologe, ein Hundesachverständiger, soll in einem Gutachten darlegen, dass der Leichenspürhund unweigerlich hätte anschlagen müssen, wenn die Leiche tatsächlich in 40 Zentimeter Tiefe zu diesem Zeitpunkt dort vergraben gewesen wäre.

Nach einer Stunde Sitzungspause wies die Strafkammer diesen Beweisantrag zurück. Ihre Begründung: Auch ein Kynologe sei nicht dazu in der Lage, eine exakte Rekonstruktion der Situation in dem Garten vor einem Jahr herzustellen.

Hintergrund: In Wehlheiden entführt

Der Angeklagte aus Maintal, der 51-jährige Bruder der getöteten Mehtap Savasci, ist beschuldigt, seine Schwester an einem Ort zwischen Kassel und Wiesbaden durch zwei Schüsse in die Brust getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass „familiäre Streitigkeiten das Motiv der Tat“ waren. Sie wirft dem Mann vor, dass er seine 40-jährige Schwester am 7. Oktober 2014 vor ihrer Wohnung an der Pfeifferstraße im Stadtteil Wehlheiden entführt und anschließend getötet hat.

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