Männer wegen Beschaffungstaten zu geringen Freiheitsstrafen verurteilt

Kassel. Es drohte ein langer Prozesstag zu werden: 38 Anklagen gegen einen 34- und einen 36-Jährigen wollte das Kasseler Amtsgericht abarbeiten. Das Meiste wurde jedoch eingestellt, die 24 Zeugen mussten nicht gehört werden, und der Prozess ging mit geringen Freiheitsstrafen für beide Angeklagten zu Ende.

Sie saßen nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank, der 36-Jährige hat 19 Vorstrafen auf dem Kerbholz, bei dem 34-Jährige sind es gar 24. Viele der Taten stehen in Zusammenhang mit der Drogensucht, die beiden berichteten, dass sie seit Jahren abhängig sind und immer wieder auf die schiefe Bahn geraten, weil sie sich Geld für Drogen beschaffen müssen.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen nun vor, dass sie - teilweise gemeinsam - auf dem Parkdeck am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe Autos aufgebrochen und Navigationsgeräte gestohlen haben sollen. Die beiden schwiegen dazu, Augenzeugen für die Taten gab es nicht. Zwei Zeugen gaben an, sie hätten gehört, dass so etwas passiert sei, der 34-Jährige habe sich mit einer solchen Tat gebrüstet. Weil die Beweislage zu dünn war, wurden diese Punkte eingestellt.

Ebenso wenig Beweise gab es für eine angebliche räuberische Erpressung: Der 34-Jährige soll demnach auf dem ICE-Bahnhof eine Frau mehrmals um Geld angebettelt haben, in einem Fall mit Erfolg. Als er sie erneut ansprach und sie nichts mehr herausrücken wollte, soll er sie mit einem Messer bedroht und gezwungen haben, in der Drogerie des Bahnhofes eine Flasche Wodka zu stehlen. Dabei wurde sie ertappt. „Der Mann, der mich damals bedrohte, hatte eine andere Haarfarbe und eine andere Frisur“, sagte die 28-Jährige vor Gericht. Sie war unsicher, ob der 34-Jährige der Täter war. So wurde auch dieser Punkt eingestellt.

Übrig blieben kleine Delikte. Der 34-Jährige wurde 25 Mal auf dem IC-Bahnhof und dem Hauptbahnhof aufgegriffen, er hatte Reisende um noch nicht verfallene Tickets gebeten, die er weiter verkaufte. Da er Hausverbot auf beiden Bahnhöfen hatte, geriet er immer wieder mit dem Sicherheitspersonal aneinander. Er gestand außerdem, dass er auf einem Dachboden ein Paket Waschpulver gestohlen hat, um es zu verscherbeln. Auch der 36-Jährige war einige Male auf dem Bahnhof aufgegriffen worden, bei ihm kamen zum Hausfriedensbruch noch zwei Diebstähle und eine Schwarzfahrt hinzu. „Viele kleine Sachen, doch auch die müssen bestraft werden“, so Richterin Manuela Focke. Der 34-Jährige wurde zu eineinhalb Jahren, der 36-Jährige zu vier Monaten verurteilt. Mit Bewährung konnten beide wegen ihres Vorstrafenregisters nicht mehr rechnen. (pas)

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