Kasseler Wirte zahlen künftig bis zu 50 Prozent mehr für Sportübertragungen

Fußball in Kneipen wird teurer

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Muss um ihre Existenz kämpfen: Ute Vogt, Inhaberin der Gaststätte „Zum Rauchfang“, muss ab September knapp 50 Prozent mehr für Sportübertragungen des Bezahlsenders Sky zahlen.

Kassel. Fußballübertragungen in Kneipen kosten künftig mehr Geld. Ab September erhöht der Bezahlsender Sky seine Lizenzgebühren. Kasseler Wirte müssen dann um bis zu 50 Prozent mehr für das Zeigen von Bundesliga-, Pokal- oder Champions-League-Spielen zahlen.

Neben der Quadratmeterzahl der Gaststätte richten sich die neuen Preise auch nach regionaler Kaufkraft, Bevölkerungsdichte und Sportaffinität in der Region.

„Uns trifft die Preiserhöhung sehr schlimm“, sagt Ute Vogt. Zusammen mit ihrer Schwester Martina Adlhoch betreibt sie die Gaststätte „Zum Rauchfang“ an der Frankfurter Straße. Bisher zahlte sie 269 Euro brutto im Monat, ab September soll sie 400 Euro zahlen. Das stehe in keinem Verhältnis zu dem zusätzlichen Umsatz durch die Sportübertragungen.

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Andererseits könne sie darauf nicht verzichten. Denn gerade an Sportwochenenden und bei Fußballspielen unter der Woche füllt das Angebot die 50 Quadratmeter große Gaststätte. „Wenn wir die Erhöhung nicht auf die Preise umlegen, können wir dichtmachen“, sagt Vogt.

 „Die Preiserhöhung ist eine Frechheit“, sagt Hooramg Sephr, Inhaber des „Chevy“ an der Henschelstraße. Er muss ab September 30 Prozent mehr zahlen. Vorherige Preiserhöhungen eingerechnet, zahle er dann doppelt so viel wie vor vier Jahren. Den genauen Betrag will er nicht nennen. Noch lohne sich das Angebot für ihn. Deshalb will er die Sportübertragungen weiter anbieten, auch deshalb, weil er selbst ein Fußballfan ist.

Zwar gibt es ab September eine zweite Smartcard und einen weiteren Receiver gratis, sodass man zwei unterschiedliche Spiele in hoher Qualität gleichzeitig zeigen kann. Nachvollziehen kann er die neue Preisstruktur aber nicht. Denn mit mehr Gästen sei dadurch nicht zu rechnen. 

Hakan Duman, der das „Xallo“ am Königstor betreibt, hat seinen Vertrag mit Sky sofort gekündigt, als er von dem Privatsender über die Preiserhöhung informiert worden war. 10.000 Euro sollte er künftig für seine 200 Quadratmeter große Gaststätte pro Jahr zahlen. Bisher waren es 6.000 Euro.

„An den Wochenenden machen wir auch ohne Sky unser Geschäft“, sagt er. Und für ein paar Spitzenspiele in der Saison lohne sich die Investition nicht. „Die 10.000 Euro musst du erst mal wieder reinbekommen“, sagt Duman. In Kassel gibt es laut Sky-Homepage mehr als 30 Gaststätten, die die Sportübertragungen anbieten.

Von Mirko Konrad


Sechs Tarifkategorien

Sky hat die Preise in sechs Kategorien nach der Größe des Gastraums gestaffelt. Etwa 80 Prozent der Gaststätten bewegen sich laut Sky in den ersten beiden Kategorien. Die durchschnittlichen Preise pro Monat dort beziffert der Sender mit 209 Euro bis 35 Quadratmeter und 274 Euro bis 75 Quadratmeter. In der größten Kategorie über 201 Quadratmetern liegen die Durchschnittspreise zwischen 630 und 750 Euro.

Weil Faktoren wie Bevölkerungsdichte und regionale Sportaffinität ebenfalls berücksichtigt werden, können gerade für Gaststätten in ländlichen Gebieten die Gebühren auch billiger werden. Sky gibt die Zahl seiner Kunden in Deutschland und Österreich mit insgesamt 3,4 Millionen an. Laut Sky wird allein an den 38 Bundesliga-Spielwochen in der Gastronomie mit den Übertragungen etwa eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet. (mkx)

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