Nachbarn berichten von Konflikten wegen Alkohol

Beziehungsdrama in Harleshausen: Immer wieder gab es Streit

Kassel. Bettina Paul hat die ganze Nacht nicht geschlafen. Vor Aufregung. Eigentlich hatte sich die Frau, die in einem Haus an der Franzstraße in Harleshausen wohnt, am Dienstagabend auf das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien gefreut.

Als sie eine halbe Stunde vor dem Anpfiff aus dem Fenster schaute, sah sie wie Polizei und Feuerwehr ins Nachbarhaus gingen. „Ich habe mich gewundert.“

Im Laufe des Abends bekam die Frau dann mit, was nebenan geschehen war. Ihre 58-jährige Nachbarin, die in der Dachgeschosswohnung lebt, hatte offenbar einen Bekannten getötet. „Die Kripo kam zur Halbzeitpause, die Spurensicherung hat erst nachts um 3 Uhr das Haus verlassen.“

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Bettina Paul kennt beide, „vom Sehen und Grüßen“: die mutmaßliche Täterin und das Opfer. „Die waren beide wirklich nett. Ich kann nichts Negatives über die beiden sagen.“ Allerdings habe der Mann Alkohol-Probleme gehabt, was immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden geführt habe. Der Mann habe auch schon mal richtig randaliert. „Am Dienstagabend muss es dann wohl eskaliert sein“, vermutet Bettina Paul, die sichtlich geschockt ist.

Tatort: Der 48-Jährige wurde in der Dachgeschosswohnung an der Franzstraße erstochen.

Nur wenige Worte kann Marek Bielicki finden, dem am Mittwochvormittag der Schrecken ins Gesicht geschrieben steht. Er wohnt in der Wohnung unter der mutmaßlichen Täterin. Oft habe er die Frau nicht gesehen. Sie sei krank gewesen und deshalb zwei Mal am Tag von einem Pflegdienst aufgesucht worden. Bielicki berichtet auch davon, dass die beiden oft gestritten haben. „Zwei bis drei Mal in der Woche habe ich den Mann oben schreien hören. Sie hat ihn auch ein paar Mal aus der Wohnung geworfen.“

Nur am Dienstagabend hat Bielicki keinen Streit und keine Schreie gehört. Er habe auch nicht mitbekommen, dass die Polizei ins Haus gekommen ist. „Ich habe mir doch das Fußballspiel angesehen.“ Freude über den hohen Sieg der deutschen Mannschaft konnte man dem Mann am Mittwochvormittag allerdings nicht mehr angesehen. Sichtlich berührt sagt er. „Ich denke, ich muss jetzt umziehen.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © Foto: Koch

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