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Bienen schwärmen für Nordcampus: Hohe Artenvielfalt auf Blühwiese an der Uni Kassel

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Von: Katja Rudolph

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Auf der Blühfläche unterhalb von ASL-Gebäude (hinten links) und Studierendenhaus (rechts) haben sich zur Freude von Fabian Hirschauer und Prof. Dr. Stefan Körner innerhalb weniger Jahre viele Arten angesiedelt.
Wertvoller Lebensraum: Auf der Blühfläche unterhalb von ASL-Gebäude (hinten links) und Studierendenhaus (rechts) haben sich zur Freude von Fabian Hirschauer und Prof. Dr. Stefan Körner innerhalb weniger Jahre viele Arten angesiedelt. © KATJA RUDOLPH

Nicht nur studentisches Leben brummt auf dem Kasseler Uni-Campus. Auf dem Gelände nördlich der Moritzstraße ist ein Eldorado für Bienen entstanden.

Kassel – Für manchen Passanten mag es nach Wildwuchs auf einer Brachfläche aussehen. Doch Kraut und Blüten, die in der großen Baulücke auf dem nördlichen Unicampus wachsen, bieten einen wichtigen Lebensraum für Tiere. Das ist das Ergebnis eines Naturschutzgutachtens, das Prof. Dr. Stefan Körner vom Institut für Landschaftsarchitektur initiiert hat.

Körner hatte 2015 mit Studierenden eine Blühfläche auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Areal angelegt, das für die Neubauten der Naturwissenschaften reserviert ist. Rund 250 Pflanzenarten wurden dort ausgesät, wobei damals vor allem die ästhetische Wirkung im Vordergrund stand. Buntes Blütenmeer statt Schmuddelecke, so die Devise. Doch inzwischen ist klar, dass die Fläche „ein Hotspot der Artenvielfalt“ geworden ist, wie es Stefan Körner formuliert.

Ihm waren schon seit einiger Zeit Stieglitze, Bluthänflinge und andere Vogelarten sowie ein schwirrender Insektenreichtum in dem Bereich aufgefallen. Diesen Eindruck bestätigte das Gutachten, das die Ökologen Fabian Hirschauer und Marian Harrer erstellt haben. Beide sind Absolventen der Uni Kassel und haben sich zwischen April und September auf mehreren Grünflächen der Uni auf die Lauer gelegt – am Campus Holländischen Platz, aber auch an Ingenieurschule und Kunsthochschule.

Dabei zeigte sich, dass die Ansaat- und Schotterflächen auf dem Nordcampus der bedeutendste Lebensraum sind. Allein dort entdeckten die Experten 38 Vogel- und 56 Wildbienenarten. Darunter auch mehrere erstmals oder seit Langem nicht mehr nachgewiesene Bienenarten. Gerade für die Insekten war dabei der geschotterte provisorische Parkplatz hinter dem Science Park ein wichtiges Habitat.

Die damals ausgesäten Pflanzen, bei denen es sich vor allem um hitze- und trockenresistente Arten handelte, sind gewissermaßen die Initialzündung für die Artenvielfalt gewesen. Sie bieten mit ihren Samen und den durch die Blüten angelockten Insekten eine Nahrungsquelle für die Vögel. Auch Mäuse und Feldhasen wurden auf dem Gelände schon gesehen und locken auch größere Vögel wie den Turmfalken an. Platterbse, Futter-Esparsette, Hornklee, Rainfarn und Co. sind dabei mit ihren bunten Farben zugleich eine Augenweide für den Menschen.

„Stadtbrachen werden oft als wertlos empfunden“, sagt Fabian Hirschauer, der sich in Kassel als Freiraumökologe selbstständig gemacht hat: „Am Beispiel des Nordcampus sieht man, was dort Wertvolles entstehen kann.“ Die auf dem Uni-Gelände gewonnenen Erkenntnisse ließen sich auf andere Flächen im Stadtgebiet und auch Privatgärten übertragen, betont Stefan Körner. „Wenn mehr dieser Arten angepflanzt würden, hätten die Leute auch weniger Stress mit der Gartenpflege.“

Mit dem für 2026 geplanten Baustart für die Naturwissenschaft werde die blühende Brachfläche mit ihrer hohen Artenvielfalt verloren gehen, ist Körner klar. Doch das Projekt habe gezeigt, was man innerhalb weniger Jahren erreichen kann. Das gelte es auch bei der weiteren Gestaltung der Freiflächen auf dem Campus zu berücksichtigen, etwa dem geplanten Grünzug an der Ahna.

Körner will sich auch dafür einsetzen, dass nach dem Abbau der Container-Lehrräume auf dem Nordcampus kein Rasen eingesät, sondern Boden von den Blüh- und Schotterflächen dorthin übertragen wird. Für ein neues Stück Lebensraum in Reichweite der Tiere. (Katja Rudolph)

Eine Glockenblumen-Sägehornbiene auf dem Campus.
Eine Glockenblumen-Sägehornbiene auf dem Campus. © Marian Harrer

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