Der Zwehrener Hof in Niederzwehren blickt auf eine lange Tradition

Große Runde: Friedchen und Otto Viehmann (von links) mit den langjährigen Stammgästen Gerhard Henkes, Manfred Scharf, Horst Börner und Uwe Habedank, die sich den Namen „Linie 5“ gegeben haben. Fotos: S. Seidenfaden

Kassel. Kassel hat eine lange Gaststättentradition und eine beachtliche Kneipendichte. Einige Lokale gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. In einer Serie stellen wir Kult-Kneipen vor. Hier: der Zwehrener Hof in Niederzwehren.

Tradition und jede Menge Stammgäste - wohl kaum eine alt eingesessene Gaststätte in Kassel kann auf so viele Stammkunden zählen, wie der „Zwehrener Hof“ an der Frankfurter Straße in Niederzwehren. Das liegt nicht zuletzt am Eigentümer-Ehepaar Otto und Friedchen Viehmann.

43 Jahre lang haben die beiden mit Herzblut ihre Gastwirtschaft geführt. Otto Viehmann, der knurrige Wirt mit dem trockenen Humor, ist noch heute ein Unikum, das von den Gästen des Lokals geliebt wird. Obwohl die beiden den Betrieb selber bereits seit 13 Jahren verpachtet haben, schauen sie fast jeden Tag in ihrer Gastwirtschaft vorbei.

Andrang an der Theke

Der gelernte Schneider und seine Ehefrau brachten sich das Bierzapfen, Kochen und Wirtschaften selber bei. In den 60er Jahren ging’s steil bergauf. „Hier standen die Leute früher in Viererreihen an der Theke“, erinnert sich Otto Viehmann an alte Zeiten. Eine unglaubliche Menge Bier ging jeden Tag über den Tresen, denn von den umliegenden Firmen und auch von VW machten jeden Tag die Angestellten in der Mittagspause und auf dem Heimweg einen Abstecher in den Zwehrener Hof, um dort ein paar Feierabendschoppen zu trinken.

Auch in der Küche gab’s jede Menge zu tun. Zwei Schweine schlachteten die Viehmanns jeden Montag und verarbeiteten das Fleisch zu Leber- und Blutwurst, Braten, Schnitzel und zur berühmten Zwehrener Bratwurst, nach deren Rezept auch heute noch im Zwehrener Hof die Wurst hergestellt wird.

Viele Freundschaften haben sich in der Gaststube entwickelt und bis heute gehalten. So auch die von der „Linie 5“. Das ist eine Gruppe von Bauingenieuren, Architekten und Handwerksmeistern, die sich vor über 30 Jahren mittags eigentlich aus beruflichen Anlässen bei Otto trafen.

Bald verstand man sich so gut, dass man der Gemeinschaft einen Vereinsnamen geben wollte. Der endete bei Linie 5, weil „wir immer eine klare Linie haben, fünf Leute waren und zudem gerne Linie getrunken haben“, erklärt Uwe Habedank. Noch heute treffen sich die Freunde jeden Freitag zum Mittagessen mit Getränk im Zwehrener Hof, erzählen herrliche Geschichten von früher und haben jede Menge Spaß.

Den haben auch die neuen Betreiber der Gastwirtschaft, Petra und Hubert Hebaum. „Unter den Gästen herrscht so eine tolle Atmosphäre. Hier ist immer Urlaubsstimmung“, schwärmt Hubert Hebaum.

Der gelernte Koch sorgt dafür, dass es im Zwehrener Hof nach wie vor hervorragende gut bürgerliche Kost gibt. Und seine Frau Petra erfreut mit ihrer Herzlichkeit und guten Laune die Gäste. Ebenso wie Tochter Stephanie, die oft und gern mithilft.

Gaststätte und Hotel Zwehrener Hof, Frankfurter Straße 232 a, Tel.: 05 61/4 22 54, www.zwehrenerhof.de, 72 Sitzplätze innen, 80 Sitzplätze im Biergarten, Öffnungszeiten außer dienstags täglich 11 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr.


Hintergrund

Wurzeln im 19. Jahrhundert

Bereits 1890 hatte Ottos Großvater Caspar an gleicher Stelle ein Gasthaus errichtet. Das ging am 22. Oktober 1943 im Bombenhagel unter. 1956 baute Otto Viehmann das Haus wieder auf. Im Erdgeschoß eröffnete er den „Zwehrener Hof“, im Obergeschoss wurden Wohnungen vermietet, später richteten die Viehmanns hier noch ein Hotel ein.

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