Universität Kassel hilft Unternehmen wie Hütt, mit Solarkraft Heizenergie zu sparen

Bier mit Sonne gebraut

Sie begießen den Erfolg: Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Bastian Schmitt (mit Energy Masters Award, von links) und Christoph Lauterbach, Professor Klaus Vajen und Hütt-Prokurist Klaus-Peter Reinl vor der Solaranlage auf dem Dach der Brauerei. Fotos:  Dilling

Kassel. Mit einer thermischen Solaranlage, so genannten Sonnenkollektoren, auf dem Dach können Hausbesitzer viel Geld für Öl oder Erdgas sparen. Die Universität Kassel hat jetzt bewiesen, dass das auch im industriellen Maßstab funktioniert.

Die Forscher haben eine 150 Quadratmeter große Sonnenkollektoranlage auf der Hütt-Brauerei installiert, diese in den Wasserkreislauf der Brauerei integriert, die Messtechnik bei der Brauerei an der Knallhütte in Baunatal auf den neuesten Stand gebracht und die Ausnutzung der Wärmeenergie beim Brauvorgang verbessert. Die Hütt-Brauerei, die jährlich 61 000 Hektoliter Bier ausstößt und zuletzt sieben Millionen Euro Umsatz machte, will die optimierte Anlage im Laufe dieses Monats in Betrieb nehmen. Preisgekrönt ist das vom Bundesumweltministerium mit 100 000 Euro geförderte Forschungsprojekt bereits jetzt. Professor Klaus Vajen, Leiter des Fachgebiets Solar- und Anlagentechnik an der Uni, und Professorin Ulrike Jordan (Fachgebiet Regenerative Prozesswärme) sowie die Doktoranden Christtoph Lauterbach und Bastian Schmitt wurden mit dem erstmals von der Industrie verliehenen Energy Masters Award in der Kategorie des Einsatzes erneuerbarer Energien ausgezeichnet.

Vajen schätzt, dass die Brauerei allein mithilfe der Kollektoranlage pro Jahr Energiekosten einspart, die dem Verbrauch von fünf Einfamilienhäusern entsprechen. Ein großer Einspareffekt werde dabei während des Einmaischens, dem Einmischen des Malzes in das Brauwasser, erzielt, sagte Vajen.

Bisher haben die Hütt-Brauer dafür zum Erhitzen kochendheißen Wasserdampf verwendet, der bei allen Brauvorgängen eingesetzt wird. Für das Einmaischen benötigt man aber nur 58 Grad warmes Wasser. Der Wasserdampf musste deshalb mit kaltem Wasser heruntergekühlt werden. Das verschlechterte aber die Wasser- und Energiebilanz des Brauvorgangs. Für das Einmaischen wird nun das von den Kollektoren auf 60 bis 80 Grad erhitzte Wasser benutzt.

Ausgangspunkt der Zusammenarbeit zwischen Uni und Hütt war die Investition in eine neue Kochtechnik. Diese werde die Brauerei demnächst vorstellen, kündigte Hütt-Prokurist Klaus-Peter Reinl an.

Die Forscher drehten an einer weiteren Stellschraube bei der Bierherstellung: Sie verbesserten die Wärmerückgewinnung aus dem heißen Bierdampf mittels eines Plattenwärmetauschers, sodass die Abwärme nun mit einer höheren Temperatur genutzt werden kann. Laut Professor Vajen wurde Sonnenenergie bisher von Brauern nur für das Waschen der Flaschen eingesetzt, nicht aber für den Brauvorgang selbst. Der Kontakt zwischen Universität und Hütt-Brauerei kam bereits 2004 zustande: Damals durchleuchtete Bastian Schmitt für seine Diplomarbeit die Schwachstellen der Brauerei.

Von Peter Dilling

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