Zum Tag des deutschen Bieres

Biere aus der Region: Hier werden nicht nur Pils und Weizen gebraut

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21 Brauereien gibt es in der Region, von Ein-Mann-Betrieben bis Großbrauereien.

Bier ist schon lange mehr als nur Pils und Weizen - auch in der Region. 21 vor allem kleine Brauereien stellen hier Dutzende Sorten her. Wir stellen sie zum Tag des Bieres am 23. April vor.

Frank Bettenhäuser spricht von "Fernsehbieren", wenn er über Veltins, Krombacher und andere Großbrauereien redet. Bettenhäuser ist als Inhaber der Kasseler Hütt-Brauerei zwar eine der letzten größeren Bier-Produzenten der Region (siehe Karte), kann jedoch bei der Massenproduktion der Großbrauereien nicht mithalten. Diese brauen jeweils mehrere Millionen Hektoliter im Jahr - gut das Hundertfache der Hütt-Produktion von 53.000 Hektoliter. Umgerechnet versorgt Hütt damit jeden der rund 200.000 Kasseler Einwohner mit knapp 53 0,5-Liter-Flaschen Bier im Jahr - etwa ein Bier pro Woche.

Deutsche trinken immer weniger Bier, trotzdem gibt es immer mehr Brauereien. Letzteres liegt vor allem an den vielen Craft- und Gasthaus-Brauereien, die in den vergangenen Jahren auch in der Region entstanden sind. Die neuste von ihnen, die Biermanufaktur Rotenburg, ist noch keine zwei Wochen alt.

Einige der kleinen Brauereien sind Jahrhunderte alt, etliche andere wurden erst in diesem Jahrhundert gegründet, wie etwa die drei Jahre alte Osterbach-Brauerei in Gemünden. Inhaber Michael Lapp und Sven Riehl betreiben ihre Brauerei nebenberuflich, tagsüber arbeiten sie als Eisengießer (Riehl) und im öffentlichen Dienst (Lapp).

Sie alle Stellen Craft-Bier her, auch wenn es nicht immer so genannt wird - das Trendwort bezeichnet strenggenommen jedes handwerklich hergestellte Bier. Craft-Bier-Produzenten zeichnen sich oft auch dadurch aus, dass sie kleine Mengen produzieren und viele und ausgefallene Sorten anbieten.  Aktuellstes Beispiel sind wohl die 1000 Flaschen Honig-Bier, die der Fritzlarer Imker Oliver Hohmann mit Hütt gebraut hat. 

Craft-Biere folgen manchmal bewusst nicht dem Reinheitsgebot, das nur vier Zutaten vorschreibt. So werden teilweise auch Früchte oder Kaffee eingebraut - oder sogar Lakritz, wie im Fall des dänischen Weihnachtsbieres Julebryg. Craft-Biere gibt es mittlerweile auch in Supermärkten zu kaufen - oder in spezialisierten Shops wie dem "Bottles" in Göttingen.

Kein großer Marktanteil

Frank Bettenhäuser

Einen großen Anteil am Markt haben diese handwerklich hergestellten, ausgefallenen Biersorten aber nicht. "Die machen nur etwa ein Prozent der verkauften Biere aus", sagt Bettenhäuser, fügt dann aber hinzu: "Das wird noch ein größerer Markt werden, da wollen wir dabei sein." Erste Craft-Brauereien hätten schon schließen müssen, so Bettenhäuser. "Die haben ein Vermarktungsproblem", sagt Bettenhäuser. Da die Zielgruppe für ausgefallenes, teureres Bier klein sei, müsse der Einzugsbereich umso größer werden. "Der Vertrieb ist dadurch schon sehr anspruchsvoll", sagt der Hütt-Chef.

Bei kleinen Brauereien fängt es schon beim Abfüllen des Bieres an. Die Osterbach-Brauerei habe gerade erst damit begonnen, Flaschen zu verkaufen. "Das ist viel aufwendiger als Fässer", sagt Michael Lapp. Hochburgen der Craft-Bewegung sind daher auch eher die Großstädte.

Die deutschen Brauereien feiern am 23. April den "Tag des Deutschen Bieres", an diesem Tag wird das Reinheitsgebot 501 Jahre alt. DAS deutsche Bier ist - zumindest außerhalb von Bayern - wohl das Pils. Noch immer dominiert diese Sorte die Kühlschränke und Keller der Region. In Nordhessen und Südniedersachsen hatte Pils im vergangenen Jahr einen Marktanteil von über 60 Prozent. Das geht aus Daten des Marketing-Unternehmens Nielsen hervor. Demnach sind die Nordhessen wohl durstiger als ihre Nachbarn. Bewohner der Nielsen-Region Kassel trinken im Schnitt 66 Liter Bier pro Jahr, in der Region Braunschweig, zu der Nielsen auch Göttingen und Northeim zählt, liegt der Verbrauch bei 60 Litern pro Kehle und Jahr.

Eine Übersicht und Erklärung der verschiedenen Biersorten von Ale bis Zwickel findet ihr hier; ein Lexikon rund ums Brauen gibt es außerdem bei Einbecker.

Brauereien werden experimentierfreudiger, was Biersorten angeht. Neben den Klassikern wie Pils und Weizen finden sich immer öfter exotische Sorten wie Indian Pale Ale, Porter oder Stout in den Regalen und Zapfhähnen der Region. Bei Hütt in Kassel braue man strenggenommen schon immer Craft-Bier, sagt Chef Bettenhäuser. So gibt es etwa seit 1972 das Hütt-Naturtrüb zu kaufen - eine Sorte, die heute oft von Craft-Bier-Brauereien hergestellt wird. Zu dieser Zeit habe Pils noch über 90 Prozent der Hütt-Produktion ausgemacht, sagt Bettenhäuser. Heute sind es keine zwei Drittel mehr. Mittlerweile verkauft Hütt unter verschiedenen Namen rund zwei Dutzend Biersorten. "Die beste Einführung seit langem war das Helle", sagt Bettenhäuser und spielt damit auf die etwa ein Jahr alte Sorte an. 

Craft-Biere können kleinen und mittelständischen Brauereien aber auch dabei helfen, gegen die Großkonzerne zu bestehen, sagt Hütt-Chef Bettenhäuser. Denn durch deren billige Preise und industrielle Massenproduktion sei die "Wertanmutung weg". Bei kleinen Brauereien sei dies nicht der Fall. "Craft-Biere sind eine Frage der Glaubwürdigkeit" sagt Bettenhäuser.

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