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Bilder von NS-Deportationen auf dem Opernplatz in Kassel

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Von: Christina Hein

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Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives (rechts), eröffnete auf dem Opernplatz die Ausstellung „#Last Seen“.
Zeichen gegen Antisemitismus: Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives (rechts), eröffnete auf dem Opernplatz die Ausstellung „#Last Seen“. © Christina Hein

Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta zeigt das Zentrum „Arolsen Archives“ seine Ausstellung über NS-Deportationen spontan in Kassel.

Kassel – Wie der Name der Ausstellung, „#Last Seen“, zum Ausdruck bringt, zeigen die Bilder Menschen in den letzten Augenblicken ihres Lebens: Deportierte auf dem Weg in die Todeslager der Nazis. Die meisten der Fotografien wurden von den Tätern, die sich damit brüsten wollten, aufgenommen.

Es gebe nicht viele dieser beklemmenden Zeitdokumente, sagte Floriane Azoulay, die Direktorin der Arolsen Archives, aus Anlass der Eröffnung der kleinen Wanderausstellung auf dem Opernplatz. Sie schätzt sie auf insgesamt rund 550. Das internationale Zentrum für NS-Verfolgung ist weiter auf der Suche nach diesen Dokumenten. Das Zentrum in Bad Arolsen hat das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Die aktuelle Archive-Ausstellung soll Gelegenheit geben, sich mit dem Thema „Bilder und Antisemitismus“ im historischen Kontext des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Azoulay machte deutlich, dass das Archiv den Tourenplan für seine Wanderausstellung durch Deutschland „anlässlich des antisemitischen Eklats rund um die documenta 15“ spontan geändert habe.

Ab sofort ist die Ausstellung auf der Ladefläche eines historischen Lkw im Zentrum Kassels und in direkter Nachbarschaft zur documenta-Kunst zu sehen. Man wolle ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen, so Azoulay. „Antisemitische Bildsprache hat eine lange Geschichte und zeigt sich in bildhaften Stereotypen.“

Die documenta fifteen rücke die Frage nach einem strukturellen Antisemitismus und seine Verharmlosung in kulturellen Institutionen in den Blick. Das Problem müsse „systematisch untersucht und es müsse dagegen aktiv vorgegangen“ werden, so Azoulay.

Unterstützt wird die Ausstellung in Kassel von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). In einem verlesenen Grußwort Roths heißt es: Die Ausstellung zeige, zu welchen Bildern eine antisemitische Bildersprache führen kann. „Wir dürfen genau aus diesem Grund vor den antisemitischen Entgleisungen auf der diesjährigen documenta nicht die Augen verschließen – auch und gerade weil es dabei um Kunst geht.“

Für die Stadt Kassel, die den Ausstellungsort zur Verfügung stellt, war zur Eröffnung Oberbürgermeister Christian Geselle anwesend, außerdem Ilana Katz, die Vorsitzende, sowie weitere Vertreter der Jüdischen Gemeinde.  

Ausstellung „#Last Seen“ bis 14. September täglich, 10 bis 21 Uhr, auf dem Opernplatz.

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